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LTB-Wahl - Der Laberthread
#61
Meine Güte, Nostalgie ist doch selbstverständlich ein Faktor, der bei der Wahl von persönlichen Lieblingsgeschichten oder -covern eine Rolle spielen darf. Die Geschichte ist auf Grund seines Erscheinens im ersten Band der Reihe sehr bekannt (wurde auch schon mal nachgedruckt), da darf man diese Geschichte doch selbstverständlich als Favorit haben. Es ist doch jedem selbst überlassen, welchen Comic er als Lieblingsgeschichte hat, habe keinen blassen Schimmer, was daran verlogen sein soll und kann die Aufregung darüber auch nicht nachvollziehen. Und ich mag die Geschichte um den Kolumbusfalter auch sehr (ohne dass ich behaupten würde, dass es die beste Geschichte von Scarpa wäre) und habe auch mit für das Cover des ersten Bandes gestimmt, weil es mir gut gefällt. Und die Fortsetzung empfinde ich ebenfalls nicht als grottenschlecht, sondern als eine nette Geschichte, die eine gelungene Hommage an eine Geschichte darstellt, die am Anfang einer Heftreihe stand, die dieses Jahr ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern darf.
Die Aussage, dass keine andere Scarpa-Geschichte so viel Aufmerksamkeit bekommt, würde ich ebenfalls hinterfragen. Denn in den Scarpa-Veröffentlichungen, die ich kenne (Hall of Fame oder Die besten Geschichten von...) war die Story nicht vertreten.
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#62
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: Meine Güte, Nostalgie ist doch selbstverständlich ein Faktor, der bei der Wahl von persönlichen Lieblingsgeschichten oder -covern eine Rolle spielen darf.
Ich habe mir an dieser Stelle mal drei verschiedene Definitonen von Nostalgie rausgesucht:

1. Vom Unbehagen an der Gegenwart ausgelöste, von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit, die sich in der Rückwendung zu einer vergangenen, in der Vorstellung verklärten Zeit äußert, deren Mode, Kunst, Musik o. Ä. man wieder belebt
2. Sehnsuchtsvoll verklärende Rückwendung zur Vergangenheit
3. Heute versteht man unter Nostalgie im Deutschen eine wehmütige Hinwendung zu vergangenen Zeiten, die in der Erinnerung oftmals stark idealisiert und verklärt reflektiert werden.

Was fällt auf? In jeder Definition kommt das Wort „verklärt“ vor. Und nein, ich finde nicht, dass es bei dieser Wahl darauf ankommen sollte, sich an die gute alte Zeit zurückzusehnen und in Erinnerungen zu schwelgen und seine ganz persönlichen, bedeutungsvollen Geschichten zu wählen. Meinetwegen kann man das als ganz kleinen Faktor einspielen lassen, aber davon sind wir hier weit entfernt. Ich bin verhältnismäßig spät zum LTB gestossen und meine erste Geschichte war „Im Tal der Trolle“ aus LTB 450. Und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich diese Geschichte las und verbinde auch Erinnerungen damit, aber mir fiele im Leben nicht ein, sie als meine Lieblingsgeschichte zu bezeichnen, oder auch nur in die Top 100 meiner Lieblingsgeschichten einzuordnen.

Und „selbstverständlich“ ist es noch viel weniger. Woher sollte das auch hervorgehen? Bei „Lieblingsgeschichten“ denke ich an Geschichten, die ich besonders gut finde, und nicht an die Geschichten, die mir damals von meinem heute mysteriös verschollenen Bruder auf einer grünen Wiese vorgelesen wurden, auf der mich mein Onkel zwei Jahre später reanimierte, obwohl ich mit denen sicher mehr verbinde. Also, wenn es die gäbe. Es gibt sicherlich einige Leute, die zu Kaschperlzeiten mit LTBs begonnen haben und heute mit diesen Geschichten, mit diesen Zeiten Sehnsüchte verbinden. Aber man muss in der Lage sein, das zu trennen.

Ich zitiere den guten alten Silly Symphony, der damals im Comicforum ein paar Beiträge zu diesem Thema niederschrieb:
„Ich will nicht behaupten, Nostalgie sei an und für sich schlecht. Es steht mir nicht zu, das zu bewerten, zumal jeder und jede eine ganz persönliche Beziehung zu dem Begriff und den dadurch ausgelösten Gefühlen hat.

Fragwürdig finde ich, wenn einem die Nostalgie den Blick verstellt - das wollte ich mit meiner Aussage zum Ausdruck bringen.“

Und das kann ich nur unterschreiben.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: Die Geschichte ist auf Grund seines Erscheinens im ersten Band der Reihe sehr bekannt (wurde auch schon mal nachgedruckt), da darf man diese Geschichte doch selbstverständlich als Favorit haben.
Was ist das bitte für eine Aussage? Die steht in keinem Zusammenhang mit irgendetwas von dem, was ich schrieb. Die Geschichte ist bekannt und wurde nachgedruckt, deshalb darf man sie als Favorit haben. Das macht überhaupt keinen Sinn, das ist einfach so eingeworfen. Das impliziert folgende falsche Dinge:
1. Geschichten, die nicht bekannt sind und/oder nicht nachgedruckt wurden, darf man nicht zum Favorit haben.
2. Bekanntheit und Nachdrucke hätten überhaupt irgendwas mit Zumfavorithabendürfen zu tun.
3. Ich hätte irgendetwas in Richtung des 2. Punktes gesagt.
4. Ich hätte behauptet, man dürfe den Kolumbusfalter nicht zum Favorit haben.
Es entzieht sich mir gänzlich, was du mit diesem Satz sagen willst.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: Es ist doch jedem selbst überlassen, welchen Comic er als Lieblingsgeschichte hat
Habe nie das Gegenteil behauptet.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: habe keinen blassen Schimmer, was daran verlogen sein soll
Dann packen wir mal wieder das Wörterbuch aus. Verlogen bedeutet:
„Unwahr­es vortäuschend, unecht“
Insofern mag das Wort hier nicht hundertprozentig treffend sein, aber es drückt ja schon aus, was ich denke und behaupte: Dass diese Geschichte nur so gelobt und berühmt und völlig übertrieben In-den-Himmel-gelobt ist, weil sie die erste überhaupt ist.
Du kannst mir nicht erzählen, dass diese Geschichte mit DEUTLICHEM Abstand auf dem ersten Platz gelandet wäre, wenn sie in einem x-beliebigen anderen LTB abgedruckt worden wäre.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: und kann die Aufregung darüber auch nicht nachvollziehen.
Musst du auch nicht.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: Und ich mag die Geschichte um den Kolumbusfalter auch sehr (ohne dass ich behaupten würde, dass es die beste Geschichte von Scarpa wäre)
Ich auch. Aber das Verhältnis von tatsächlicher Qualität der Geschichte zu Wirbel, der um sie gemacht wird, passt einfach überhaupt nicht. Hier mal ein Kommentar aus dem Inducks:
„Eine der bis heute besten Geschichten eröffnet also den legendären Klassiker der langen LTB-Geschichte. Erzählerisch ist sie über jeden Zweifel erhaben mit ihren vielen Wendungen. Scarpa hat hier etwas geschaffen, an dem sich alle anderen Geschichten fortan messen lassen mussten. Das beliebte Motiv der Schatzsuche bekommt hier seinen Olymp.“ Und nun bedenke, dass es extrem viele Leute gibt, die genauso denken, und das noch extremer. Bedenke, dass diese Geschichte bei der Fangeschichtenwahl wohl öfter zur absoluten Lieblingsgeschichte gewählt wurde als Die Linsen aus Babylonien, Der rasende Kurier und die Kralle von Kali, alles Geschichten, die komplett von Scarpa sind, aus etwa der gleichen Zeit stammen und ausserhalb von Deutschland die gleiche Bekanntheit haben, eher höhere. Es ist einfach offensichtlich, dass die Geschichte gedanklich einen ordentlichen Bonus aufgedrückt bekommt.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: und  habe auch mit für das Cover des ersten Bandes gestimmt, weil es mir gut gefällt.
Sicher, dass du es auch gewählt hättest, wenn es Band 55 gewesen wäre? Und ohne den Titel? Ich bin mal ganz frech und bezweifle das.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: Und die Fortsetzung empfinde ich ebenfalls nicht als grottenschlecht
Ich habe die Geschichte noch nicht gelesen, aber aufgrund der Kritiken konnte ich mir zumindest einigermaßen ein Bild machen, deshalb schrieb ich „wahrscheinlich“. Ich finde es aber auch generell fragwürdig, eine so alte italienische Geschichte in Dänemark mit völlig unerfahrenen Autoren fortzusetzen, nur, um mal einen Blickfang zu haben. Selbst, wenn es doch eine Krachergeschichte sein sollte, so ist der Grund für die Produktion keinesfalls ein storytechnischer gewesen, niemand hätte den Kolumbusfalter fortsetzen wollen, wenn er in LTB 3 gewesen wäre. Da gings einfach um eine Fortsetzung um der Fortsetzungs Willen, in dem Punkt dürften wir uns einig sein. Gucken wir uns doch mal die Künstler an: Die Idee kommt von Peter Höpfner. Ganz seltsame Credits. Idee, das liest man sonst nie. Es gibt ab und zu, dass jemand nur den Plot macht, aber einfach nur die Idee so gut wie nie. Das die dann noch vom Chefredakteur kommt, macht zumindest mal klar, dass die Existenzberechtigung für diese Geschichte lediglich geschäftliche sind. Da hat kein Schreiber die Idee bekommen, der Kolumbusfalter böte sich für eine Fortsetzung an und ein schönes Skript geschrieben, nein, da hat der Peter Höpfner am Schreibtisch gesessen und gesagt „Für 50 Jahre setzen wir den Kolumbusfalter fort, wie, das kann der/die Storyschreiber/in schauen, dem ich das jetzt aufdrücke“. Und Maya Astrup durfte das machen. Der hat man die Geschichte zum Lesen gegeben und dann durfte sie da was draus spinnen. Und Flemming durfte zeichnen. Der hatte wohl auch nie Bezug zur Geschichte, der musste das einfach machen. Dass erst Cavazzano angekündigt war, der bekannt dafür ist, nur Geschichten zu zeichnen, die er für gut hält, tut sein Übriges. Die Geschichte wurde übrigens in Norwegen und Schweden abgedruckt, wo der Kolumbusfalter nie erschien und die Leser wohl nix verstanden. Aber so eine teure Geschichte muss man halt überall verwerten, Sinn hin oder her.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: sondern als eine nette Geschichte, die eine gelungene Hommage
Wörterbuch die dritte:
„Werk, das als Ehrung für jemanden entworfen wurde, der eine Art Vorbildfunktion hatte, oder für etwas, das besonders inspirierend war“
Ob man ein Werk ehrt, in dem man es fortsetzt, ohne, dass es Sinn macht, ohne, dass man es fortsetzt, um eine gute Geschichte zu erzählen, sondern es nur fortsetzt, weil es in einer Erscheinungsreihenfolge an einer bestimmten Stelle steht? Ob man so ein Werk ehrt? Ich weiss nicht. Ob diese Geschichte für irgendeinen der Beteiligten inspirierend war? Vielleicht war der Gedanke einer vollen Kasse inspirierend, aber mehr auch nicht. Autoren und Zeichner haben die Geschichte wahrscheinlich bis vor kurzem nicht mal gelesen. Wenn Mickys Inferno die erste Geschichte gewesen wäre, hätten sie die auch fortsetzt.
(Vor 4 Stunden)FAB schrieb: an eine Geschichte darstellt, die am Anfang einer Heftreihe stand, die dieses Jahr ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern darf.
Da sieht mans doch. Du bestätigst es. Diese Fortsetzung hat nur ihre Daseinsberechtigung, weil die Geschichte in LTB 1 war. Wäre sie in LTB 47 gewesen, hättest du dich gefragt „Hä? Wieso setzen sie das denn fort?“ Aber da die Geschichte in LTB 1 war, ist es in Ordnung. Was bedeutet das? Die Geschichte wird einzig und allein auf ihre Position in einer Erscheinungsweise reduziert. Keiner hätte diese Geschichte fortsetzen wollen, wenn sie in LTB 47 gewesen wäre. Die Story selbst ist im Hintergrund, was zählt, ist, dass sie in LTB 1 war. Und bei der qualitativen Beurteilung ist es eben genauso.
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