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Romano Scarpa
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13.02.2012, 02:11
Beitrag #61
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RE: Romano Scarpa
Aha, also doch noch eine Antwort. Ich hatte schon befürchtet, ich hätte meinen letzten Beitrag zu unprovokant formuliert.
![]() Es kommt eben darauf, wie man die unterschiedlichen Aspekte gewichtet, aus der sich dann schließlich die "absolute Bedeutung" zusammensetzt. Unter meiner Gewichtung ist diese Aussage von dir ... Zitat:Barks als Übervater in einer Allzeit-Bestenliste aller Stile und Epochen kann man akzeptieren, danach käme gleich Scarpa...und aus historischer Sicht wohl noch Gottfredson und Taliaferro... beispielsweise falsch, denn Gottfredson halte ich persönlich in der Gesamtheit doch für einflussreicher als Scarpa. Meistens wird ja aber von den großen Drei gesprochen, also Barks, Gottfredson, Scarpa. Wobei ich dir schon dahingehend zustimmen, dass man eigentlich Taliaferro auch mitreinnehmen müsste. Was Branca anbelangt: Ich hab von zeichnerischer Bedeutung geredet, dass er quantiativ weniger als andere gezeichnet hat, spielt da nicht unbedingt eine Rolle. Und wenn du nur zwei "Nachahmer" kennst, heißt das noch lange nicht, dass es nur zwei gibt. Er hat sehr viele spanische Zeichner geprägt, nennen könnte man zum Beispiel noch Massaroli, Scalabroni, Torres, Millet und Santanach. Sind vielleicht keine ganz großen Namen, aber gerade, wenn man sich MM-Hefte aus den 90ern durchblättert, findet man einfach sehr häufig Branca-orientierte Stile, wie ich finde. Meiner Meinung ist er ganz klar der bis dato aus zeichnerischer Hinsicht bedeutendste Egmont-Zeichner.
Neue Kurzgeschichte: Um Hilfe geflüstert |
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13.02.2012, 19:46
Beitrag #62
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RE: Romano Scarpa
Da stimme ich dir zu. Es gibt weitaus mehr als zwei Zeichner, die von Brancas Zeichenstil geprägt worden sind. Gerade der mittlere und späte Stil Brancas, der nicht mehr so vom Barks der 60er geprägt ist, sehe ich persönlich als vielleicht entscheidensten und prägendsten Stile im Hause Egmont. Etwas derartiges gab es zuvor nicht, Branca schuf etwas völlig neues, das viele der MMM-Zeichner nicht nur in den Neunzigern prägte. Branca ist zwar sicherlich nicht so bedeutend wie die großen Drei (oder auch Vier), aber meiner Meinung nach z.B. stilprägender als Vicar. Der hat zwar enorm viel gezeichnet und allein schon dadurch eine große Bedeutung ,aber Zeichner, die in seinem Stil zeichnen fielen mir spontan kaum welche ein.
Und warum muss man viele Zeitgenossen Scarpas nennen wenn man von Cavazzano spricht. Er hat einen Stil, in dem heute viele der italienischen Zeichner zeichnen, erschaffen. Viel mehr künstlerischen Einfluss als Cavazzano, kann man doch kaum erreichen. Von Scarpas Zeitgenossen, unter denen es sicherlich ebenfalls herrausragende Künstler gibt, lässt sich so etwas nicht sagen. "Von jetzt an werdet ihr euer Gemüt mit himmlischen Harmonien von Händel und perlenden Passagen von Paganini veredeln." Musikalischer Unfug , Carl Barks/ Erika Fuchs |
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14.02.2012, 20:26
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.02.2012 20:33 von Kopekobert Dukofjew.)
Beitrag #63
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RE: Romano Scarpa
Zunächst einige Worte zur Debatte, welche Disney-Künstler besonders bedeutend sind. Hier kommt es meiner Meinung nach darauf an, welches Kriterium man stärker gewichtet: Geht man nach der Produktivität, so sind Leute wie Strobl oder Vicar fraglos bedeutender als Daniel Branca. Geht man nach dem Bekanntheitsgrad, so gestaltet sich die Beantwortung der Frage schwieriger: Barks und Don Rosa sind wohl die bekanntesten Disney-Künstler. Aber ist Scarpa bekannter als Vicar? Murry bekannter als Branca? Die Beantwortung der Frage, wie bekannt ein Künstler ist, hängt zum einen davon ab, von welchem Publikum man ausgeht (alle Disney-Leser, nur die deutschen Disney-Leser...). Zum anderen benötigt man aussagekräftiges empirisches Material (zum Beispiel Umfragen), welches uns nicht vorliegt. Das Bekanntheits-Kriterium ist insofern schwammig und nicht ausreichend, wenn man klären möchte, wie bedeutend ein Künstler ist. Als drittes Kriterium wurde hier der Einfluss diskutiert, den der Künstler auf spätere Künstler hatte, sei es nun zeichnerisch oder auch inhaltlich. Mit diesem Kriterium kann ich am meisten anfangen. So würde ich zum Beispiel Pezzin als einen relativ bedeutenden Künstler bezeichnen, da er einen bestimmten Storytyp - den Wirtschaftskampf - nachhaltig geprägt hat. Auch heute orientieren sich noch viele italienische Autoren an Pezzin, wenn sie Wirtschaftskämpfe schreiben. Da ich das dritte Kriterium am stärksten gewichte, zähle ich Daniel Branca ebenfalls zu den bedeutendsten Egmont-Künstlern. Im Bereich der italienischen Disney-Comics überragen meines Erachtens Scarpa und Cavazzano.
Nun zu Romano Scarpa: Die Kommentare von 313er treffen ziemlich genau den Kern dessen, was in meinen Augen den Reiz von Scarpa ausmacht. (22.01.2012 02:16)313er schrieb: Bei Scarpa ist das anders, hier gibt es meiner Meinung nach immer neues zu entdecken. Sein Stil ist abwechslungsreich, dynamisch und hat immer Überraschungen zu bieten. Und das liegt nicht nur daran, dass seine Schaffenszeit über 50 Jahre umfasst. So sehe ich das auch. Gerade dass er zugleich unverkennbar und unberechenbar ist, schätze ich an Scarpas Stil besonders. So erhält jede einzelne Szene den Charakter der Einzigartigkeit. Anstatt mit vorgefertigten Mustern zu arbeiten, die er dann, je nachdem, ob es gerade passt, anwendet, bringt Scarpa vielmehr ständig neue Facetten zum Vorschein. Was mir bei Scarpa ebenfalls gefällt, ist der Respekt, den er den Figuren entgegenbringt. Anstatt sie den Anforderungen des Plots anzupassen und in Kauf zu nehmen, dass sie in manchen Szenen charakterliche Inkonsistenzen aufweisen, richtet sich Scarpa nach den Figuren und entwickelt seine Storys aus der Logik ihres Denkens und Handelns heraus. Dabei hat er klare Vorstellungen davon, wie Micky, Dagobert oder Donald "ticken" und hält sich konsequent daran, diese auch umzusetzen. Ein dritter Grund, warum ich Scarpa für einen herausragenden Künstler halte, besteht darin, dass er insbesondere in seinen frühen Werken ein ungeheures Gespür für Suspense und Timing beweist. Gerade wenn der Leser zu wissen glaubt, was Sache ist, streut er gezielt neue Verdachtsmomente. Auffällig ist dies bei seinen Kriminalgeschichten: Immer wenn Micky meint, dem Rätsel auf der Spur zu sein, muss er feststellen, dass er sich auf einer falschen Fährte befunden hat. Diese ständigen Rückschläge machen die Storys nicht nur spannender, sondern auch die Figur sympathischer. Allwissend und fehlerlos ist die Maus bei Scarpa eigentlich nie. |
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16.02.2012, 20:04
Beitrag #64
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RE: Romano Scarpa
(13.02.2012 02:11)313er schrieb: Aha, also doch noch eine Antwort. Ich hatte schon befürchtet, ich hätte meinen letzten Beitrag zu unprovokant formuliert. Nicht doch. Ferien. Zeugs. ![]() 313er schrieb:Es kommt eben darauf, wie man die unterschiedlichen Aspekte gewichtet, aus der sich dann schließlich die "absolute Bedeutung" zusammensetzt. Unter meiner Gewichtung ist diese Aussage von dir ... Ich finde es immer schwierig, die Künstler der Comic-Strips direkt mit denen der späteren, "normalen" Comichefte zu vergleichen, deswegen sind sie für mich eher historisch bedeutend als künstlerisch - klar, bei Gottfredson findet man sehr vieles, was später wieder aufgegriffen wurde, aber zum Durchbruch gebracht haben es andere Künstler (eben Scarpa z.B.). Einfach, weil erst diese Künstler dann eine Tradition begründet haben, die lange anhielt. Gottfredson kennt man gar nicht mehr so, weil niemand mehr in grossem Umfang mit Strips gearbeitet hat, weil die Hefte so dominierend sind, dass er kaum noch nachgedruckt wird. Deswegen ist Scarpa in meinen Augen bedeutender. 313er schrieb:Was Branca anbelangt: Ich hab von zeichnerischer Bedeutung geredet, dass er quantiativ weniger als andere gezeichnet hat, spielt da nicht unbedingt eine Rolle. Und wenn du nur zwei "Nachahmer" kennst, heißt das noch lange nicht, dass es nur zwei gibt. Interessant, wäre mir so noch nie aufgefallen. Ich halte es ohnehin für schwierig, solche Traditionslinien bei Egmont auszumachen, weil quasi alle Zeichner (bis auf ein paar Querköpfe wie Rota, Van Horn, Korhonen) relativ ähnlich arbeiten und vermutlich auch dazu angehalten oder dafür ausgebildet werden; es gibt nicht so die wilde Kreativität und Diversifizierung wie in Italien. Milou schrieb:Und warum muss man viele Zeitgenossen Scarpas nennen wenn man von Cavazzano spricht. Er hat einen Stil, in dem heute viele der italienischen Zeichner zeichnen, erschaffen. Viel mehr künstlerischen Einfluss als Cavazzano, kann man doch kaum erreichen. Von Scarpas Zeitgenossen, unter denen es sicherlich ebenfalls herrausragende Künstler gibt, lässt sich so etwas nicht sagen. Scarpa hat ja nicht allein diese Anfangsjahre geprägt, viel wurde auch von anderen Künstlern wie Carpi, Bottaro oder Martina angestossen, die zusammen den klassischen italienischen Disney-Comic quasi erfunden haben. |
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Er hat sehr viele spanische Zeichner geprägt, nennen könnte man zum Beispiel noch Massaroli, Scalabroni, Torres, Millet und Santanach. Sind vielleicht keine ganz großen Namen, aber gerade, wenn man sich MM-Hefte aus den 90ern durchblättert, findet man einfach sehr häufig Branca-orientierte Stile, wie ich finde. Meiner Meinung ist er ganz klar der bis dato aus zeichnerischer Hinsicht bedeutendste Egmont-Zeichner.







