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Bewertungskriterien für Zeichner
#1
Als Einstieg für dieses Thema zitiere ich einfach Shouts von gestern Abend:

Milou schrieb:Wenn ich die regen Diskussionen über Zeichner hier in letzter Zeit mir in Erinnerung rufe, fällt mir immer wieder auf, dass ein gern genannter Kritik, der mangelnde Detailgrad ist. Mit recht eigenartigen Erklärungen, die mir nicht wirklich einleuchten und aus denen ich keine ästhetischen Kriterien ablesen kann. Manchmal hab ich das Gefühl es geht um mehr Striche, wie bei Rosa, manchmal um "Realismus" ohne, dass der Begriff ansatzweise geklärt wäre. Vor allem ohne klarzustellen warum, dass per se ein positives Kriterium ist.
Und wir reden über Disney-Comics, die alle mehr oder weniger dem Funny-Stil zuzuordnen sind. Unter den Zeichner gibt es etliche verschiedene Stile aber wirklich möglichst detailliert und "realistisch" sind die alle nicht, im Vergleich zu Zeichnern aus anderen Gebieten. Weshalb sollten sie auch? Nur wie kann man dann genau diese Kriterien als primären Qualitätsmerkmal ausrufen? Und warum sollte überhaupt etwas möglichst realistisches besser sein? Bin ich der einzige, der sich über diese Fragen wundert?

Luk schrieb:Ich nehme mal an, du meinst diese Sachen ala „Keine Details im Gesicht“? Das kann ich auch nicht nachvollziehen...

Brisanzbremse schrieb:Das gehört nicht in den Schreikasten, das gehört vernünftig im Forum ausdiskutiert.

Milou schrieb:Ich meine nicht nur diese eine Sache, Luk, aber auch das.
Hast recht BB, hatte überlegt einen Thread aufzumachen, aber mich dann doch aus Zeitgründen für den Kasten entschieden. Hausarbeiten sind echte Zeitfresser.

Danach wurde noch weiterdiskutiert, insbesondere über die Sache mit den "Details im Gesicht", das gebe ich jetzt aber nicht alles noch einmal wieder. Angemeldete Benutzer können es sich ja selbst durchlesen. Falls ihr aber auf etwas von dort Bezug nehmen wollt, zitiert es bitte oder paraphrasiert es zumindest.  Zwinkern
Ich hoffe, das Thema des Threads ist jetzt einigermaßen im Sinne von Milou, ich finde es jedenfalls sehr interessant, mal grundsätzlich darüber zu diskutieren, anhand welcher Maßstäbe wir die Zeichner von Disney-Comics bewerten - eigentlich sogar erstaunlich, dass es bislang dazu noch kein Thema gab. Auch von Brisanzbremse erwarte ich jetzt natürlich einen Beitrag zur Debatte, wenn er schon die Themeneröffnung gefordert hat.  Frech

Hier kann jetzt einerseits die Realismus-Diskussion fortgeführt werden. Hier bin ich gleicher Meinung wie Milou, es ist eben grundsätzlich so, dass Disney-Comics nicht realistisch sind und auch nicht sein wollen (interessante generelle Überlegungen zur "Cartoonhaftigkeit" von Comics finden sich in Scott McClouds bekanntem Comic "Comics richtig lesen"/"Understanding Comics"). Ich würde auch sagen, dass es hier keine größeren Unterschiede zwischen den einzelnen Zeichnern gibt, weil das eben im Figurendesign schon so angelegt ist.

Natürlich kann hier aber über Bewertungskriterien jeder Art diskutiert werden, die zentrale Frage ist also: Was macht für euch einen guten Zeichner von Disney-Comics aus? Dynamische Zeichnungen? Detaillierte Hintergründe? Wohlproportionierte Figuren? Das sind jetzt einfach mal ein paar Anstöße. Ich denke aber, es ist immer die Frage, wie man die einzelnen Kriterien gewichtet. An dieser Stelle würde mich besonders interessieren, ob sich vielleicht bei euch im Laufe der Zeit diese Maßstäbe verschoben haben. Ein Beispiel: Früher mochte ich die Zeichnungen von Silvia Ziche nicht besonders, weil sie mir zu exzentrisch waren - das hatte ich vor allem an den manchmal weit geöffneten Schnäbeln (die Fassungslosigkeit ausdrücken sollen) festgemacht, weil das einfach nicht so recht zu meinem Bild von Disney-Comics gepasst hat. Inzwischen bin ich da aber irgendwie offener und kann so etwas viel eher akzeptieren oder auch wertschätzen.
Vielleicht ist das auch eine Überleitung zu einem weiteren, mMn sehr interessanten Kriterium: Die Originalität bzw. der Wiedererkennungswert. Leser, die sich (noch) nicht so sehr mit Disney-Comics auskennen, haben wenig "Vergleichsmaterial" und können die Zeichnungen nicht in Beziehung mit anderen setzen. Wenn man aber langsam mehrere Stile unterscheiden kann, bekommt das Kriterium der Originalität immer mehr Gewicht, denke ich. Auch mir geht es denke ich so, dass ich es mittlerweile mehr wertschätze, wenn ein Zeichner "sein eigenes Ding" macht, auch wenn mir seine Zeichnungen ansonsten vielleicht gar nicht so gut gefallen. Ein gutes Beispiel ist da für mich Sergio Asteriti, der nie zu meinen favorisierten Zeichnern gehört hat, bei dem ich einfach seinen individuellen, unverwechselbaren Stil anerkenne. Welchen Stellenwert hat bei euch dieser Wiedererkennungswert?
Ein weiteres Kriterium wäre die Angemessenheit. Damit meine ich zum Beispiel, dass ein Zeichner wie Faccini aufgrund seines Zeichenstils besser dafür geeignet ist, kurze, skurrile Gag-Geschichten zu zeichnen (die er praktischerweise ja auch selbst schreibt) als vielleicht lange Abenteuergeschichten. Ich denke schon, dass das auch eine Rolle spielt und letztlich dazu führt, dass wir die Zeichnungen nie völlig unabhängig von der Story bewerten können. Was die Dinge natürlich nicht einfacher macht. Wie seht ihr das?

Das sind jetzt erstmal ein paar Sachen, die mir spontan zu dem Thema eingefallen sind. Wir können hier aber auch gerne eine Art "Meta-Diskussion" führen, d. h. dass wir uns die Frage stellen, wie wir überhaupt sinnvoll über dieses Thema diskutieren können. Eine Sache, bei der man mMn zumindest vorsichtig sein muss, ist das Rausgreifen einzelner Panels von Zeichnern. Auf der einen Seite ist das schon sinnvoll oder sogar notwendig, um seinen Punkt möglichst anschaulich zu belegen. Andererseits kann die Auswahl eines Einzelbildes auch die Realität verzerren, weil es eben nicht unbedingt repräsentativ für die Zeichnungen der gesamten Geschichte und schon gar nicht des Künstlers sein muss. Hier ist es also notwendig, eine gute Auswahl zu treffen und Einzelbilder im Zweifelsfall nicht überzubewerten.

Und zum Schluss noch eine Sache: Bitte hier keine Grundsatz-Diskussion zur Qualität von italienischen Zeichnern. Das hatten wir schon so oft und in so anstrengender Form, bitte hier also nicht damit anfangen. Verzichtet möglichst auf Verallgemeinerungen und versucht, eure Meinungen lieber anhand bestimmter Künstler zu veranschaulichen. Falls es doch in diese Schiene ausarten sollte, werde ich die entsprechenden Beiträge komplett löschen. Ebenso werden auch Beiträge mit Sätzen "Ich hasse Zeichner XYZ" oder "Zeichner XYZ -  Kotz " gelöscht. Ein grundsätzlicher Respekt für jeden Zeichner sollte vorhanden sein, egal ob man ihn mag oder nicht. Und generell wäre es einfach schön, wenn wir die Diskussion möglichst offen und unvoreingenommen führen würden.
"Zwei notwendig entfernte Zeitpunkte in ein und ebendasselbe Gemälde bringen, [...] heißt ein Eingriff des Malers in das Gebiete des Dichters, den der gute Geschmack nie billigen wird." (Gotthold Ephraim Lessing)

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#2
Es ist eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. Ich denke kaum das jemand meint „Ob ich Zeichnungen gut finde, hängt nur davon ab, ob sie originell sind“ oder „Ob ich Zeichnungen gut finde, hängt nur davon ab, ob sie dynamisch sind“. Ich begrüsse es auch, wenn die Zeichnungen sich stärker von anderen abheben, aber das ist nicht wirklich ein entscheidender Punkt. Carpi ist zum Beispiel nicht wahnsinnig besonders, trotzdem sind seine Zeichnungen gut, während manche der ganz neuen Zeichner meines Erachtens schon an einen Punkt kommen, wo ich glaube, sie zeichnen einfach mit dem Ziel, ganz anders zu sein. Dabei kommt nicht unbedingt etwas schönes heraus. Beispielsweise Roberta Migheli in Töne für die Tonne aus LTB 482. Definitiv einzigartig, aber meines Erachtens unschön. Wenn die Figuren aussehen wie Kinder, kann ich das gar nicht ab. Letzten Endes gibt es keine eindeutigen Kriterien, nach denen ich Zeichner bewerte. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.
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#3
Micky 
Ich sage auch "Die Mischung macht's". (@OT: Wie bekommen Floyd und Luk eigentlich die unteren Anführungszeichen hin?)
Für mich ist sowohl ein gewisser Wiedererkennungswert des Stils, als auch die Orientierung an der Urdarstellung (Micky aus "Steamboat Willie", Donald etwa aus Barks' Entencomics) wichtig. Daher finde ich sowohl ein blankes Kopieren/Abpausen eines Stils als auch ein völlig neuer, eigener Stil (z. B. Tebo) nicht besonders schön anzusehen. Wichtig finde ich auf jeden Fall auch die Dynamik/Nicht-Statik, die Perspektive der einzelnen Panels und die Proportionalität. Wie irgendjemand schon schrieb, ist die Qualität der Zeichnungen für mich auch immer von der Handlung abhängig, zum Beispiel passen Silvia Ziches Zeichnungen plus eine knallbunte Kolorierung nicht zu einem spannenden Krimi wie "Das doppelte Geheimnis des Schwarzen Phantoms", umgekehrt passen Sergio Asteritis Zeichnungen auch nicht zu PKNA- oder DoppelDuck-Storys. Details (nicht unbedingt im Gesicht, aber zumindest in der näheren Umgebung) spielen für mich persönlich auch eine Rolle, da man sich in realistischere Comics besser "einfühlen" kann.
Letztendlich kann ich selbst nicht so genau beschreiben, was für mich gute Zeichnungen ausmachen. Das ist eben alles sehr subjektiv; entweder, etwas gefällt einem, oder eben nicht. So ähnlich wie mit der Liebe...

Teilweise haben wir aber auch schon hier über dieses Thema gesprochen.
Topolina, Paperopoli und Jungle Town | INDUCKS
»[D]enn es gibt keine tierische Unvernunft auf Erden, die nicht von der Torheit der Menschen unendlich übertroffen wird.«
(Herman Melville — „Moby Dick“)
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