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[Projekt] Lied des Monats
(04.12.2021, 02:15)Sergei schrieb: Da es hier um das Lied des Monats geht und nicht um das Lied, das in 10 Jahren noch toll sein wird, sehe ich darin ehrlich gesagt kein allzu großes Problem. Denn ja, dieses Ding drückt wirklich das Lebensgefühl unserer Generation aus…
Ein Kunstwerk, dem man bereits jetzt anmerkt, dass es seinen Alterungsprozess nicht überstehen wird, hat sehr wohl ein Problem.
Wie man dieses Spiel auffasst, ist Sache des Einzelnen. Es auf das Lied, das in diesem Monat grade toll ist, zu beziehen, macht aber schon deshalb nicht so viel Sinn, weil die große Mehrzahl der Nominierungen keine frisch erschienenen Songs sind. Ganz abgesehen davon, dass ich Zeitbeständigkeit für ein Qualitätsmerkmal halte.

Sergei schrieb:Übrigens: https://www.youtube.com/watch?v=lVL-zZnD3VU
Ja, darauf hat Topolino bei der Nominierung schon hingewiesen. Ich meinte nicht „Das ist von diesem Song abgekupfert“ (halte ich für äußerst unwahrscheinlich), sondern einfach „Hier ist ein Song mit ähnlichem Titel, den ich besser finde“.

Sergei schrieb:Das ist schade… sollte noch jemand große Verständnisprobleme gehabt haben und interessiert sein (das zweite bezweifle ich zunehmend…) verlinke ich hier nochmal auf die Lyrics, ganz allgemein geht es um den Versuch einer Flucht aus dem "Gefängnis" der Szene…
Ich habe selbst auch Genius konsultiert. Hat mir aber nicht besonders weitergeholfen. Um den Text zu verstehen, müsste ich mich erst mal extra in den Jargon einarbeiten. Das war mir angesichts der zu bewertenden Musikmenge zusätzlich zu meinen anderen Beschäftigungen zu mühsam. Aber vielleicht mache ich es noch.

Sergei schrieb:Verzeih die dumme Frage, aber was genau meinst du hier mit „ästhetische Kraft”?
Die Frage ist gar nicht dumm. Ästhetische Kraft ist die nie genau benennbare, weil nicht auf Einzelheiten reduzierbare Gesamtwirkung des Kunstwerks. In diesem Fall unterscheidet sich „Wendy“ von „Mucho Gusto“ einerseits durch geringere Professionalität (man hat den Eindruck, dass sie das Musikmachen noch nicht ganz ernst betreiben), andererseits durch größere Unverbindlichkeit der Lyrics, die sich nicht auf eine einzige, paradigmatische Erfahrung fokussieren, aus deren Nachzeichnung in ihrer Allgemeingültigkeit „Mucho Gusto“ seine ästhetische Kraft bezieht, sondern allgemeiner Elemente eines Lebensstils schildern, mit weniger Ernst, weniger Eindringlichkeit, weniger Zusammenhang.

Sergei schrieb:Ich finde nicht, dass Solokonzerte gleich musikalischen Leerlauf bedeuten.
Das habe ich auch nicht gesagt.

Sergei schrieb:Natürlich verleiten sie zur Zurschaustellung der Virtuosität des Solisten, vor allem im 19. Jahrhundert, das war aber kein spezifisches Problem der Solokonzerte sondern betrifft auch ganz andere Richtungen.
Du meinst Werke für ein Instrument solo? Das ist die einzige Richtung, bei der das ähnlich stark ausgeprägt ist wie im Solokonzert. Davon zählt aber nur die Sonate zu den „großen klassischen Formen“, von denen ich sprach (Capriccios, Fantasien etc. gehören nicht dazu). Und da in einer Sonate das Soloinstrument alleine für die musikalische Entwicklung verantwortlich ist, muss schon automatisch mehr passieren als bloße Virtuosität, während man das im Konzert an den wohligen Orchesterteppich auslagern kann.

Sergei schrieb:Dafür bieten Concerti eine einzigartige Möglichkeit des Dialogs, den man zwar auch in allen anderen Genres findet (vor allem natürlich beim von dir erwähnten Bach), allerdings selten in dieser Intensität und Expressivität.
In der Tat, diese spezifische Art des Dialogs gibt es nur hier, das ist der große Vorzug der Form. Die dialogische Form par excellence ist allerdings das Streichquartett, man denke an Goethes bekannte Beschreibung „man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten“.

Sergei schrieb:Eine Musik, die so viele Filme groß gemacht, so viele Leute berührt und inspiriert hat, kann eigentlich gar nicht dümmlich sein.
Äh, hm. Vielleicht möchtest du über dieses Argument noch einmal genauer nachdenken.

Sergei schrieb:Nein Tiersen ist nicht Bach, nicht Mozart und nicht Beethoven, das muss man aber auch nicht sein, um „Musik“ zu machen, auch wenn gewisse Leute das gerne behaupten.
Gewiss nicht. Aber um von einem musikalischen Werk sprechen zu können, muss darin etwas passieren. „Comptine d’été“ besteht aus zwei Akkordwechseln, die endlos wiederholt und ein bisschen ausgeschmückt werden. Bei „Pas si simple“ ist das Pattern ein bisschen komplexer, aber im Grunde ist es dieselbe Chose. Es sind Klänge, die sich in einem Film gut eignen, um Stimmung zu erzeugen, und die man als 14-jähriger Klavierschüler gerne spielt, weil sie so träumerisch klingen und sich leicht lernen lassen. Aber zum Anhören? 90 % der Mainstream-Popmusik ist interessanter, und das heißt was.
(Komm mir jetzt bitte nicht mit Satie. So zu komponieren war zu seiner Zeit originell und provokant. Nichts davon bei Tiersen.)

Sergei schrieb:Übrigens habe ich den von dir zitierten Weg ziemlich genau in der anderen Richtung beschritten: Schon als Kind war ich extrem fasziniert von „ernster“ Musik, habe stundenlang Beethoven-Sonaten gehört und selber solche Stücke gespielt. Auf Tiersens Musik hab ich mehr als abwertend herabgeschaut (vielleicht aber auch, um mich von meinen ganzen Klassenkameraden abzugrenzen, die alle Comptine d'un autre été rauf und runter gespielt haben, während ich Beethoven und Debussy geklimpert hab…), mit den Jahren bin ich da aber deutlich offener geworden, irgendwann hab ich dann Amelie gesehen, wodurch mir erst so richtig bewusst wurde, was diese Musik eigentlich vermitteln will. Mit 14 war mein Paradies die Appassionata, heute besteht es aus einer Vielzahl toller Musikrichtungen und Komponisten und da gehört auch Tiersen dazu.
Meine Erfahrung ist: Wenn man sich einmal wirklich die Arbeit gemacht hat, durch Bach und Beethoven durchzusteigen, sinkt die Geduld, die man für einfach Gestricktes übrig hat. Ich bin kein Fan von Joachim Kaiser, aber das hat er schön formuliert:
Zitat:Die Hammerklaviersonate macht auch anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung.

Sergei schrieb:Zum letzten Punkt kann ich wenig sagen, wir beide haben eh eine völlig unterschiedliche Benotungsart (ich gebe tendenziell deutlich mehr Punkte, weil ich (oft auch mangels spezifischem Wissen) einfach nichts wirklich kritisieren kann und dann mehr nach Gefühl bewerte und da mir so gut wie jede Musik ein tolles Gefühl gibt, fällt die Note dann eben sehr gut aus ^^).
Aus Interesse: Hast du dir eigentlich die Threadseiten der älteren Runden durchgelesen, oder die Geschichte des Spiels ignoriert und meinen Bewertungsstil zum ersten Mal erlebt?

Sergei schrieb:Mein Vorschlag ( Greenie ): Bis zu einer Länge von 6 Minuten darf man so viel nominieren wie man will, also zum Beispiel zwei 3-Minuten-Stücke, das sollte keinem wehtun. Darüber hinaus nur noch ein Stück mit maximal 15 Minuten Länge.
Altes Problem der Regeldiskussionen: Jede Verbesserung im Einzelnen macht das System komplizierter, weniger leicht zu erfassen und ist aus irgendeiner Richtung kritisierbar. Z. B.: Dir ist klar, dass du damit die Gesamtlänge der Nominierungen eines Users auf 21 Minuten begrenzt? Das sind bei zehn Nominatoren (realistische Zahl) schon dreieinhalb Stunden.
Ich würde deshalb erst mal den einfachen Vorschlag von 313er umsetzen, schauen, wie das funktioniert, und dann gegebenenfalls dort nachbessern, wo es Bedarf gibt.
(Die starke Hervorhebung war deshalb, damit das in diesem langen Beitrag nicht untergeht.)
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(04.12.2021, 03:44)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Mein Vorschlag ( Greenie ): Bis zu einer Länge von 6 Minuten darf man so viel nominieren wie man will, also zum Beispiel zwei 3-Minuten-Stücke, das sollte keinem wehtun. Darüber hinaus nur noch ein Stück mit maximal 15 Minuten Länge.
Altes Problem der Regeldiskussionen: Jede Verbesserung im Einzelnen macht das System komplizierter, weniger leicht zu erfassen und ist aus irgendeiner Richtung kritisierbar. Z. B.: Dir ist klar, dass du damit die Gesamtlänge der Nominierungen eines Users auf 21 Minuten begrenzt? Das sind bei zehn Nominatoren (realistische Zahl) schon dreieinhalb Stunden.
Ich würde deshalb erst mal den einfachen Vorschlag von 313er umsetzen, schauen, wie das funktioniert, und dann gegebenenfalls dort nachbessern, wo es Bedarf gibt.
(Die starke Hervorhebung war deshalb, damit das in diesem langen Beitrag nicht untergeht.)
Ich hatte Sergei jetzt so verstanden, dass man entweder beliebig viele Songs bis zur Länge von 6 Minuten nominieren kann (was aber letztlich meistens auf zwei hinausläuft), oder ein längeres mit Spielzeit bis maximal 15. Die Formulierung gibt das zwar nicht her, würde aber mehr Sinn machen  Zwinkern
(03.12.2021, 22:05)Primus schrieb: Lässt sich anhören, aber ich werde in diesem Leben wohl nicht mehr verstehen, was Spectaculus an Tears for Fears findet. Das musikalische Äquivalent zu mittelguten Fantasyfilmen mit irgendwie künstlerischem Anspruch.
Ich weiß nicht, wer die zwei Männer im Video sind (der Bärtige dürfte Roland Orzabal sein, aber wer ist der andere?), aber wenn sie wirklich so alt sind wie gezeigt, hat es etwas Würdeloses, sie sich noch für diese Popästhetik hergeben zu sehen. Der nur semiprofessionelle Charakter des Videos (die nicht perfekt geschlossene Fassade) verstärkt diesen Eindruck.
Genauso wie ich nicht verstehen kann, was du an Devo so toll findest. Sich immer nur hinzustellen und zu schreien "Guckt mal, ich bin soooo ironisch", hat für mich am Ende keinen Wert. Da ist mir Musik lieber, die Gefühle verarbeitet. Bei Tears for Fears ging es von Anfang an um emotionale Katharsis (siehe Bandname und den Bezug auf Psychotherapie). "The Hurting" war ein Album, das sich mit Traumata befasst. Jetzt ist es leider so, dass Roland den Tod seiner Frau (nach Jahren an emotionalem Verfall) verdauen musste und darum geht es in dem Song (sowie in "Please Be Happy", das bereits seit Jahren als Demo kursiert).

Es hat schon seinen Grund, weshalb unter praktisch jedem Video der Band Kommentare zu lesen sind wie "This band saved my life" oder "They helped me through so many hard times". Gerade wenn man mit Depressionen o.ä. zu kämpfen hat, ist es die Musik von Gruppen wie TFF, Talk Talk oder Marillion (um mal drei herauszugreifen, die für mich nah miteinander verwandt sind), die den Hörenden das Gefühl vermittelt, dass sie sich verstanden fühlen und dass es besser werden kann.

Dazu kommt, dass Roland Orzabal in meinen Augen einfach ein Genie ist, ein ungeheuer talentierter Musiker. Er hat eine umfangreiche und wahnsinnig voluminöse Stimme (Steven Tyler hat anscheinend mal gesagt, Roland hätte die beste und lauteste Stimme, die er je gehört habe), kann diverse Instrumente spielen, hat einen gut erkennbaren, individuellen Touch als Produzent, und schreibt dazu einige der besten Melodien im Pop jenseits der Beatles. Zudem steht er für in sich geschlossene Alben - was man anhand einzelner Songs natürlich nicht so gut bewerten kann, aber jedes seiner Werke hat einen roten Faden und fließende Übergänge.

Die enorme musikalische Vielfalt nicht zu vergessen. Jedes Album hat einen anderen musikalischen Kern. Die zweite Single klingt auch schon wieder ganz anders als die erste (und gefällt mir ehrlich gesagt auch um ein Vielfaches mehr).

Der Andere ist Curt Smith - für mich musikalisch nicht so wichtig (die beiden Alben, die Roland ohne ihn unter dem Bandnamen gemacht hat, enthalten einige seiner stärksten Songs), aber menschlich ein guter Gegenpart, da er deutlich lockerer ist. Ich hab mich ja auch ursprünglich nur bei Twitter angemeldet, um Curt zu folgen...
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(03.12.2021, 22:05)Primus schrieb: schrieb: The Beatles – Hey Bulldog: 7
John Lennon schrieb:They wanted another song; I knocked off "Hey Bulldog." It's a good-sounding record that means nothing.
Genauso klingt es auch: Ein schnell hingeworfenes Produkt eines durchaus begabten Songwriters, an dem niemand allzu lange gefeilt hat.    
Du erwartest meines Erachtens zu viel von dem Lied. Im Grunde beweist es das Zitat von John Lennon ja, es soll kein anspruchvolles, meisterhaft komponiertes Jahrhundertwerk sein. Es ist einfach ein schlichtes und unterhaltendes Lied.  Für mich und einige andere ist es eben einfach stimmig in dieser Schlichtheit.

Zitat:(Ich würde dir nochmal empfehlen, meine Monteverdi-Nominierung von letzter Runde anzuhören. Da geht es – ein beliebter lyrischer Topos – um den Gegensatz zwischen der aufblühenden Natur im Frühling und der traurigen Stimmung des lyrischen Ichs. Dieser Kontrast ist in der Musik klar gezeichnet, aber oft wird Moll für „fröhliche“ Textpassagen und Dur für „traurige“ verwendet, soweit man bei Musik um 1600
schon von Dur und Moll sprechen kann. Es funktioniert trotzdem.)
An wen richtet sich das?

Zitat:Die Hammerklaviersonate macht auch anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung.
Ich empfinde die Bezeichnung "Belästigung" für Musik als  unqualifiziert.  Gerade in der Musik gibt es viele unterschiedliche Meinungen und Auffassungen.
"Um Gottes Willen, warum bin ich verurteilt diese Art von Literatur zu lesen..." (Marcel Reich-Ranicki)
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(04.12.2021, 11:14)Spectaculus schrieb: Ich hatte Sergei jetzt so verstanden, dass man entweder beliebig viele Songs bis zur Länge von 6 Minuten nominieren kann (was aber letztlich meistens auf zwei hinausläuft), oder ein längeres mit Spielzeit bis maximal 15. Die Formulierung gibt das zwar nicht her, würde aber mehr Sinn machen  Zwinkern
Ja, daran habe ich auch gedacht. Das klingt zunächst sinnvoller als was Sergei tatsächlich vorgeschlagen hat. Leider ist es nicht effektiv genug: Wenn zwölf Leute mitspielen, von denen zwei Drittel die 6-Minuten-Variante wählen und ein Drittel die 15-Minuten-Variante, sind wir schon wieder bei 1h 48min.

Spectaculus schrieb:Genauso wie ich nicht verstehen kann, was du an Devo so toll findest. Sich immer nur hinzustellen und zu schreien "Guckt mal, ich bin soooo ironisch", hat für mich am Ende keinen Wert.
Devo sind zunächst unglaublich gute und kreative Songwriter, die zudem jeden Song mit einem doppelten Boden ausstatten. In Verbindung mit ihrer durchdachten Ästhetik und ihren pointierten Texten spießen sie so das Zeitalter des Medienkapitalismus auf wie sonst nur Frank Zappa, allerdings nicht wie er, indem sie einen sichtbaren Gegenstandpunkt des Satirikers beziehen, sondern durch überzeichnende Imitation. Aber das erschöpft sich nicht in Ironie. In der schonungslosen Kritik des falschen Lebens kommt schattenhaft die Möglichkeit eines besseren zum Ausdruck.

Spectaculus schrieb:Da ist mir Musik lieber, die Gefühle verarbeitet. Bei Tears for Fears ging es von Anfang an um emotionale Katharsis (siehe Bandname und den Bezug auf Psychotherapie). "The Hurting" war ein Album, das sich mit Traumata befasst. Jetzt ist es leider so, dass Roland den Tod seiner Frau (nach Jahren an emotionalem Verfall) verdauen musste und darum geht es in dem Song (sowie in "Please Be Happy", das bereits seit Jahren als Demo kursiert).

Es hat schon seinen Grund, weshalb unter praktisch jedem Video der Band Kommentare zu lesen sind wie "This band saved my life" oder "They helped me through so many hard times". Gerade wenn man mit Depressionen o.ä. zu kämpfen hat, ist es die Musik von Gruppen wie TFF, Talk Talk oder Marillion (um mal drei herauszugreifen, die für mich nah miteinander verwandt sind), die den Hörenden das Gefühl vermittelt, dass sie sich verstanden fühlen und dass es besser werden kann.

Dazu kommt, dass Roland Orzabal in meinen Augen einfach ein Genie ist, ein ungeheuer talentierter Musiker. Er hat eine umfangreiche und wahnsinnig voluminöse Stimme (Steven Tyler hat anscheinend mal gesagt, Roland hätte die beste und lauteste Stimme, die er je gehört habe), kann diverse Instrumente spielen, hat einen gut erkennbaren, individuellen Touch als Produzent, und schreibt dazu einige der besten Melodien im Pop jenseits der Beatles. Zudem steht er für in sich geschlossene Alben - was man anhand einzelner Songs natürlich nicht so gut bewerten kann, aber jedes seiner Werke hat einen roten Faden und fließende Übergänge.

Die enorme musikalische Vielfalt nicht zu vergessen. Jedes Album hat einen anderen musikalischen Kern. Die zweite Single klingt auch schon wieder ganz anders als die erste (und gefällt mir ehrlich gesagt auch um ein Vielfaches mehr).
Danke, das kann ich ein bisschen nachvollziehen. Von besonderer musikalischer Qualität habe ich noch nichts mitbekommen, aber schlecht sind sie auf keinen Fall.
Was tröstende Musik angeht, gibt es für mich (wie auch schon mal auf Twitter erwähnt) eigentlich nur Bach. Andere große Musik ist entweder selbst so fern von Traurigkeit, dass man keinen Zugang zu ihr findet (Haydn, Mozart), oder gräbt sich tiefer in die Traurigkeit ein, statt aus ihr herauszuführen (Schubert). Bach führt heraus. Seine Musik enthält das Leid, aber gleichzeitig das Universum, in dem alles aufgehoben ist. (Es ist natürlich christlich gemeint, aber man muss nicht religiös sein, damit es funktioniert.) Probier mal: https://www.youtube.com/watch?v=ONE0s528hl0 und https://www.youtube.com/watch?v=ln9MBa8lXV4.

Ich finde es auch nicht schlimm, dass wir hier auseinandergehen. Wir denken ja sonst in vielerlei Hinsicht ähnlich über populäre Musik.

Spectaculus schrieb:Der Andere ist Curt Smith - für mich musikalisch nicht so wichtig (die beiden Alben, die Roland ohne ihn unter dem Bandnamen gemacht hat, enthalten einige seiner stärksten Songs), aber menschlich ein guter Gegenpart, da er deutlich lockerer ist. Ich hab mich ja auch ursprünglich nur bei Twitter angemeldet, um Curt zu folgen...
Danke! Es wäre über den TFF-Wikipediaartikel auch sehr leicht herauszufinden gewesen, sehe ich jetzt...

(04.12.2021, 11:29)Micky11 schrieb: Du erwartest meines Erachtens zu viel von dem Lied. Im Grunde beweist es das Zitat von John Lennon ja, es soll kein anspruchvolles, meisterhaft komponiertes Jahrhundertwerk sein. Es ist einfach ein schlichtes und unterhaltendes Lied.
Verzeihung, aber wir bewerten hier Songs. Wenn wir von jedem nur so viel erwarten, wie er liefert, müssen wir allen 12 Punkte geben.
Ich halte auch mein positives Gegenbeispiel „Lady Madonna“ nicht für ein meisterhaft komponiertes Jahrhundertwerk (genausowenig wie irgendeinen anderen Song der Beatles), nur für einen professionell durchorganisierten und dabei auch inspirierten Popsong, in dem jeder Teil seine Beziehung zum Ganzen hat. „Hey Bulldog“ ist ‚nur‘ inspiriert.

Micky11 schrieb:An wen richtet sich das?
An Spectaculus, den ich im Satz davor erwähne. War leider nicht ganz deutlich.

Micky11 schrieb:Ich empfinde die Bezeichnung "Belästigung" für Musik als  unqualifiziert.  Gerade in der Musik gibt es viele unterschiedliche Meinungen und Auffassungen.
Man mag das hart finden. Aber wenn Joachim Kaiser eines nicht ist, dann unqualifiziert.
Es gibt allgemein viele unterschiedliche Meinungen und Auffassungen. Das heißt nicht, dass deine und meine Meinung darüber, was eine gut gebaute Rakete ist, genauso viel zählt wie die einer Raketeningenieurin.
Und es gibt Kontexte, in denen selbst die beste Musik Belästigung ist: Wenn sie im Hintergrund knapp oberhalb der Wahrnehmungsschwelle, also zu leise für eine angemessene Rezeption, vor sich hinplätschert, in Restaurants, Hotellobbys, Geschäften. Musik wird damit zum reinen Gebrauchsmittel, das angenehme (konsumfreudige) Stimmung erzeugen soll – somit einen Akt der Gewalt gegen die Stimmung des Einzelnen darstellt – und die Fähigkeit zur Stille ebenso wie die zum konzentrierten Hören zerstört, die ein und dasselbe sind. Es gibt in Österreich Skipisten, die mit Schlagern beschallt werden. Etwas Perverseres kann ich mir kaum denken.
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Zitat:Verzeihung, aber wir bewerten hier Songs. Wenn wir von jedem nur so viel erwarten, wie er liefert, müssen wir allen 12 Punkte geben. Ich halte auch mein positives Gegenbeispiel „Lady Madonna“ nicht für ein meisterhaft komponiertes Jahrhundertwerk (genausowenig wie irgendeinen anderen Song der Beatles), nur für einen professionell durchorganisierten und dabei auch inspirierten Popsong, in dem jeder Teil seine Beziehung zum Ganzen hat. „Hey Bulldog“ ist ‚nur‘ inspiriert.
Es schien mir dein Hauptkritikpunkt zu sein, dass das Lied nicht bis ins kleinste Detail optimiert wurde.
Mir persönlich ist das ziemlich egal, solange es gut klingt. Das wollte ich ausdrücken.

Zitat:Man mag das hart finden. Aber wenn Joachim Kaiser eines nicht ist, dann unqualifiziert. Es gibt allgemein viele unterschiedliche Meinungen und Auffassungen. Das heißt nicht, dass deine und meine Meinung darüber, was eine gut gebaute Rakete ist, genauso viel zählt wie die einer Raketeningenieurin. Und es gibt Kontexte, in denen selbst die beste Musik Belästigung ist: Wenn sie im Hintergrund knapp oberhalb der Wahrnehmungsschwelle, also zu leise für eine angemessene Rezeption, vor sich hinplätschert, in Restaurants, Hotellobbys, Geschäften. Musik wird damit zum reinen Gebrauchsmittel, das angenehme (konsumfreudige) Stimmung erzeugen soll – somit einen Akt der Gewalt gegen die Stimmung des Einzelnen darstellt – und die Fähigkeit zur Stille ebenso wie die zum konzentrierten Hören zerstört, die ein und dasselbe sind. Es gibt in Österreich Skipisten, die mit Schlagern beschallt werden. Etwas Perverseres kann ich mir kaum denken.
Hier habe ich mich, zugegebenermaßen, etwas unglücklich ausgedrückt. Ich bezog mich damit  auf die gesamte "Welt" der Musik, sondern Speziell auf die Meinung über bestimmte Musik bzw. Musiker.
Derartige Kommentare über Werke von Künstlern, mit dem Einzigen Argument, dass es besseres gibt , empfinde ich als unqualifiziert.
"Um Gottes Willen, warum bin ich verurteilt diese Art von Literatur zu lesen..." (Marcel Reich-Ranicki)
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(04.12.2021, 13:08)Primus schrieb:
(04.12.2021, 11:14)Spectaculus schrieb: Ich hatte Sergei jetzt so verstanden, dass man entweder beliebig viele Songs bis zur Länge von 6 Minuten nominieren kann (was aber letztlich meistens auf zwei hinausläuft), oder ein längeres mit Spielzeit bis maximal 15. Die Formulierung gibt das zwar nicht her, würde aber mehr Sinn machen  Zwinkern
Ja, daran habe ich auch gedacht. Das klingt zunächst sinnvoller als was Sergei tatsächlich vorgeschlagen hat. Leider ist es nicht effektiv genug: Wenn zwölf Leute mitspielen, von denen zwei Drittel die 6-Minuten-Variante wählen und ein Drittel die 15-Minuten-Variante, sind wir schon wieder bei 1h 48min.
Ja, das ist wirklich das was ich vorschlagen wollte sorry falls meine Formulierung unverständlich war… ich denke nicht dass das so ineffektiv ist, natürlich klappt es nicht, wenn dann alle 15-Minuten-Songs nehmen, aber eigentlich sollte das ja dann doch die große Ausnahme bleiben. Bei dieser Runde beispielsweise gab es nichts mit dieser Länge. Sollte in der Praxis also klappen.

(04.12.2021, 03:44)Primus schrieb:
(04.12.2021, 02:15)Sergei schrieb: Da es hier um das Lied des Monats geht und nicht um das Lied, das in 10 Jahren noch toll sein wird, sehe ich darin ehrlich gesagt kein allzu großes Problem. Denn ja, dieses Ding drückt wirklich das Lebensgefühl unserer Generation aus…
Ein Kunstwerk, dem man bereits jetzt anmerkt, dass es seinen Alterungsprozess nicht überstehen wird, hat sehr wohl ein Problem. Wie man dieses Spiel auffasst, ist Sache des Einzelnen. Es auf das Lied, das in diesem Monat grade toll ist, zu beziehen, macht aber schon deshalb nicht so viel Sinn, weil die große Mehrzahl der Nominierungen keine frisch erschienenen Songs sind. Ganz abgesehen davon, dass ich Zeitbeständigkeit für ein Qualitätsmerkmal halte.
Das Lied hat auch gar nicht die Ambition, irgendeinen Alterungsprozess zu überstehen. Wozu auch? Dann würde es nicht mehr funktionieren. Und ja, ich fasse dieses Spiel so auf, dass Songs gewählt werden, die diesen Monat gerade toll sind. Das können sowohl frisch erschienene Songs sein, als auch alte Sachen, die ja deswegen noch lange nicht nicht in diese Zeit passen, für mich ergibt das also schon Sinn…

(04.12.2021, 03:44)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Verzeih die dumme Frage, aber was genau meinst du hier mit „ästhetische Kraft”?
Die Frage ist gar nicht dumm. Ästhetische Kraft ist die nie genau benennbare, weil nicht auf Einzelheiten reduzierbare Gesamtwirkung des Kunstwerks. In diesem Fall unterscheidet sich „Wendy“ von „Mucho Gusto“ einerseits durch geringere Professionalität (man hat den Eindruck, dass sie das Musikmachen noch nicht ganz ernst betreiben), andererseits durch größere Unverbindlichkeit der Lyrics, die sich nicht auf eine einzige, paradigmatische Erfahrung fokussieren, aus deren Nachzeichnung in ihrer Allgemeingültigkeit „Mucho Gusto“ seine ästhetische Kraft bezieht, sondern allgemeiner Elemente eines Lebensstils schildern, mit weniger Ernst, weniger Eindringlichkeit, weniger Zusammenhang.
Ah OK, ja ich verstehe was du meinst, andererseits gibt das Nichtszusammenhängen der Themen und eben dieser absolut nicht vorhandene Ernst Wendy seinen ganz eigenen Reiz.

(04.12.2021, 03:44)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Natürlich verleiten sie zur Zurschaustellung der Virtuosität des Solisten, vor allem im 19. Jahrhundert, das war aber kein spezifisches Problem der Solokonzerte sondern betrifft auch ganz andere Richtungen.
Du meinst Werke für ein Instrument solo? Das ist die einzige Richtung, bei der das ähnlich stark ausgeprägt ist wie im Solokonzert. Davon zählt aber nur die Sonate zu den „großen klassischen Formen“, von denen ich sprach (Capriccios, Fantasien etc. gehören nicht dazu). Und da in einer Sonate das Soloinstrument alleine für die musikalische Entwicklung verantwortlich ist, muss schon automatisch mehr passieren als bloße Virtuosität, während man das im Konzert an den wohligen Orchesterteppich auslagern kann.
Oh ja, da hast du Recht, das mit den großen klassischen Formen hatte ich in dem Zusammenhang überlesen, Unachtsamkeit meinerseits.

(04.12.2021, 03:44)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Eine Musik, die so viele Filme groß gemacht, so viele Leute berührt und inspiriert hat, kann eigentlich gar nicht dümmlich sein.
Äh, hm. Vielleicht möchtest du über dieses Argument noch einmal genauer nachdenken.
Allgemein habe ich mich an dieser Bezeichnung "dümmlich" einfach extremst gestört. Ich finde nicht, dass man großen Anspruch oder Komplexität braucht, um schlau (oder was auch immer der Gegenteil von "dümmlich" in diesem Zusammenhang sein soll) zu sein. Aber was genau würdest du denn hier unter "dümmlich" verstehen? Dann kann ich mein Argument vielleicht nochmal darauf bezogen überdenken.

(04.12.2021, 03:44)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Nein Tiersen ist nicht Bach, nicht Mozart und nicht Beethoven, das muss man aber auch nicht sein, um „Musik“ zu machen, auch wenn gewisse Leute das gerne behaupten.
Gewiss nicht. Aber um von einem musikalischen Werk sprechen zu können, muss darin etwas passieren. „Comptine d’été“ besteht aus zwei Akkordwechseln, die endlos wiederholt und ein bisschen ausgeschmückt werden. Bei „Pas si simple“ ist das Pattern ein bisschen komplexer, aber im Grunde ist es dieselbe Chose. Es sind Klänge, die sich in einem Film gut eignen, um Stimmung zu erzeugen, und die man als 14-jähriger Klavierschüler gerne spielt, weil sie so träumerisch klingen und sich leicht lernen lassen. Aber zum Anhören? 90 % der Mainstream-Popmusik ist interessanter, und das heißt was.
Das kann sogar sein. Wahrscheinlich bin ich einfach auch nur extrem beeinflusst von den Tiersen-Filmen die ich gesehen habe (Amelie und Good Bye Lenin, müssten auch die beiden bekanntesten sein zu denen er beigetragen hat). Tatsache ist, dass diese Musik Gefühle auslöst und das ist auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal, unabhängig davon wie eintönig oder simpel das Werk sein mag. Beim von dir zitierten Ravel-Boléro passiert vom Crescendo abgesehen auch nicht besonders viel, Ravel hat selber gesagt, dieses Werk sei "vide de musique" (Musikleer? Wie würdest du das übersetzen), dennoch würde ich nicht sagen "das ist keine Musik".

Letztendlich artet das hier aber wohl in eine Diskussion aus, was Musik ist. Da kann ich dann nicht viel machen, mir fehlen auch einfach die rhetorischen Fähigkeiten, um meinen Standpunkt hier überzeugend rüberzubringen.

(04.12.2021, 03:44)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Übrigens habe ich den von dir zitierten Weg ziemlich genau in der anderen Richtung beschritten: Schon als Kind war ich extrem fasziniert von „ernster“ Musik, habe stundenlang Beethoven-Sonaten gehört und selber solche Stücke gespielt. Auf Tiersens Musik hab ich mehr als abwertend herabgeschaut (vielleicht aber auch, um mich von meinen ganzen Klassenkameraden abzugrenzen, die alle Comptine d'un autre été rauf und runter gespielt haben, während ich Beethoven und Debussy geklimpert hab…), mit den Jahren bin ich da aber deutlich offener geworden, irgendwann hab ich dann Amelie gesehen, wodurch mir erst so richtig bewusst wurde, was diese Musik eigentlich vermitteln will. Mit 14 war mein Paradies die Appassionata, heute besteht es aus einer Vielzahl toller Musikrichtungen und Komponisten und da gehört auch Tiersen dazu.
Meine Erfahrung ist: Wenn man sich einmal wirklich die Arbeit gemacht hat, durch Bach und Beethoven durchzusteigen, sinkt die Geduld, die man für einfach Gestricktes übrig hat. Ich bin kein Fan von Joachim Kaiser, aber das hat er schön formuliert:
Zitat:Die Hammerklaviersonate macht auch anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung.
Ich weiß jetzt nicht genau, was genau du unter der Arbeit verstehst, durch Bach und Beethoven durchzusteigen, und bin auch garantiert nicht in der Lage ihr Werk in Gänze zu durchschauen (bezweifle aber dass das überhaupt jemand kann). Du hast auch offenbar eine deutlich größere musikalische Bildung als ich, dennoch kann ich von mir behaupten, mich hin und wieder mit ihrem Werk auseinandergesetzt zu haben. Das hat meine Geduld für einfach Gestricktes nicht verringert. Kann auch sein, dass Bach und Beethoven mich eigentlich in ihrer Komplexität und Tiefe einfach unterbewusst überfordern und ich deswegen einfach Gestricktes als Ausgleich suche, jedenfalls empfinde ich Tiersens Musik ganz und gar nicht als Belästigung.

Hammerklaviersonate ist ein anderes Thema. Manchmal habe ich das Gefühl, dieses Werk zu verstehen, nur um dann zwei Takte später wieder komplett rausgeworfen zu werden. Aber was für ein Stück. Und die Fuge… Meine Güte, ich kann Kaiser schon verstehen, dass ihm vieles danach nur noch belanglos vorkommt, aber das ist ein bisschen wie bei Literatur, nur weil ich Les Miserables gelesen habe heißt das nicht dass ich danach nichts Gewöhnliches mehr genießen kann.

(04.12.2021, 03:44)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Zum letzten Punkt kann ich wenig sagen, wir beide haben eh eine völlig unterschiedliche Benotungsart (ich gebe tendenziell deutlich mehr Punkte, weil ich (oft auch mangels spezifischem Wissen) einfach nichts wirklich kritisieren kann und dann mehr nach Gefühl bewerte und da mir so gut wie jede Musik ein tolles Gefühl gibt, fällt die Note dann eben sehr gut aus ^^).
Aus Interesse: Hast du dir eigentlich die Threadseiten der älteren Runden durchgelesen, oder die Geschichte des Spiels ignoriert und meinen Bewertungsstil zum ersten Mal erlebt?
Nein, ich habe mich nicht durch alle 40 Seiten gelesen (hoffentlich verständlich), mir aber trotzdem einige Threadseiten angeschaut und auch die eine oder andere deiner älteren Bewertungen – neben deiner aktuellen Bewertung habe ich sie vor allem kürzer in Erinnerung Greenie
D.U.C.K. (Dedicated to Unca Carl and Keno)
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(04.12.2021, 21:37)Micky11 schrieb: Es schien mir dein Hauptkritikpunkt zu sein, dass das Lied nicht bis ins kleinste Detail optimiert wurde.
Ja. Schärfer gesagt: Das ist gar kein fertiger Song.

Micky11 schrieb:Mir persönlich ist das ziemlich egal, solange es gut klingt.
Nun, da habe ich höhere Ansprüche. Gut klingen tut schnell mal was. Ich habe aber auch gesagt, dass ich die verwendeten Ideen gut finde.

Micky11 schrieb:Hier habe ich mich, zugegebenermaßen, etwas unglücklich ausgedrückt. Ich bezog mich damit  auf die gesamte "Welt" der Musik, sondern Speziell auf die Meinung über bestimmte Musik bzw. Musiker.
Derartige Kommentare über Werke von Künstlern, mit dem Einzigen Argument, dass es besseres gibt , empfinde ich als unqualifiziert.
Dann erklär doch mal, welche Qualifikation genau der Satz von Kaiser nicht erfüllt.

Er sagt nicht genau, welche „[m]ittelmäßige[] und [m]äßige[]“ Musik er meint (Kaiser ist allgemein ein Freund schwammiger Formulierungen), aber meine Ansicht kann ich dir erläutern: Nicht bei allem, was als Musik verkauft wird, kann man von „Kunst“ sprechen, die von „Künstlern“ geschaffen wird. Gerade im Zeitalter der Kulturindustrie wird der Großteil der Musik auf den Markt gebracht, um damit (unmittelbarer Sinn) Geld zu verdienen (das natürlich nicht nur an die „Künstler“ fließt, die als mit der Musik verbundene Gesichter und Namen selbst als Produkte vermarktet werden, und auch nicht an jene – kaum je komplett mit den Gesichtern identisch –, die die Musik komponieren und einspielen, sondern in erster Linie an die großen Unternehmen, die den Produktions- und Vermarktungsprozess kontrollieren), was zur Folge hat, dass die Musik, um möglichst viele möglichst stark anzusprechen, banal, billig, geschmacklos und voll der trivialsten Effekte, Fast Food wird: Wie Fastfoodketten und Süßigkeitenhersteller durch entsetzliche Mengen an Fett, Salz und Zucker primitive Gehirnstrukturen ausnutzen und die Konsumenten in eine Art von Sucht treiben, so auch die Musikproduzenten. Es gibt aber auch einen systemischen Sinn: Bedürfnisse der Gesellschaft oberflächlich zu befriedigen und damit eigentlich zu unterdrücken; die Menschen in einen angenehmen Taubheitszustand zu versetzen, den sie für Erholung halten, weil sie darin ihre Lebensrealität nicht spüren und vom Nachdenken über sie abgehalten werden – Internet und Medien sind voll von Tipps, was man gegen „Grübeln“ tun kann. „Keine Erfüllung darf an die Arbeit sich heften, die sonst ihre funktionelle Bescheidenheit in der Totalität der Zwecke verlöre, kein Funke der Besinnung darf in die Freizeit fallen, weil er sonst auf die Arbeitswelt überspringen und sie in Brand setzen könnte.“ (Adorno, Minima Moralia Nr. 84) „Quick, turn on the TV, I’m starting to think!“ (The Simpsons) Auch wer sich die Fähigkeit zur Besinnung bewahren will, kann sich der Allgegenwart von populärer Musik als suchterzeugendem Betäubungsmittel nicht entziehen. „Belästigung“ ist höflich ausgedrückt.

(05.12.2021, 01:27)Sergei schrieb: Ja, das ist wirklich das was ich vorschlagen wollte sorry falls meine Formulierung unverständlich war… ich denke nicht dass das so ineffektiv ist, natürlich klappt es nicht, wenn dann alle 15-Minuten-Songs nehmen, aber eigentlich sollte das ja dann doch die große Ausnahme bleiben. Bei dieser Runde beispielsweise gab es nichts mit dieser Länge. Sollte in der Praxis also klappen.
Ich habe doch ein Rechenbeispiel gebracht: Wenn zwölf User teilnehmen (realistische Maximalzahl), von denen nur ein Drittel (halte ich auch für realistisch) die 15-Minuten-Variante nimmt, liegt die Gesamtdauer schon wieder in der Dimension dieser Runde und sogar noch etwas darüber. Nicht realistisch – da muss ich einen Denkfehler einräumen – war meine Annahme, dass die vier längeren Songs tatsächlich alle 15 Minuten erreichen. Wenn wir das auf durchschnittlich acht Minuten korrigieren, kommen wir auf 1h 20min – immer noch ziemlich viel, ich schätze, dass die Gesamtdauer eine Stunde nicht deutlich überschreiten sollte. Zudem ist das System kompliziert genug, dass es mit Sicherheit für Verwirrung und Missverständnisse sorgen wird (das geht schnell), und irgendwann wird es auf Widerspruch stoßen, weil es auf den ersten Blick unlogisch ist, dass die Grenze für mehrere Songs niedriger ist als für einen. Natürlich wissen wir jetzt alle, wie es dazu kommt, aber wenn Gras über diese Diskussion gewachsen ist und vielleicht neue Mitspieler dazugekommen sind...

Ich bin also weiterhin gegen deinen Vorschlag, aber meine Argumente sind nicht zwingend. Was sagen denn die anderen dazu? Ich verstehe wie gesagt absolut, wenn man keine Lust auf diese Diskussion hat, aber bevor wir neue Regeln in Kraft setzen, müssen wir doch wissen, wie die allgemeine Meinung aussieht.

Sergei schrieb:Das Lied hat auch gar nicht die Ambition, irgendeinen Alterungsprozess zu überstehen. Wozu auch? Dann würde es nicht mehr funktionieren.
Non sequitur. Nimm nur „OK Computer“ von Radiohead. Ich habe meine Kritikpunkte an diesem Album, aber es drückt mindestens genauso gut ein Lebensgefühl aus wie „Mucho Gusto“, ist 1997 erschienen und wird von Musikliebhabern immer noch hoch geschätzt. Wird man das in 24 Jahren auch über „Mucho Gusto“ sagen können?
Wenn ein Kunstwerk zum Zeitpunkt seines Erscheinens toll wirkt, sich aber als nicht alterungsbeständig erweist, zeigt das, dass seine Kongruenz zur Entstehungszeit seine Qualitätsmängel nur überdeckt hat, solange diese Zeit andauerte. Zwischen Zeitkongruenz und Qualität zu unterscheiden ist selbst für ausgewiesene Kunstkenner nicht immer leicht (daher war Kafka zu Lebzeiten kaum bekannt, während Werfel abgefeiert wurde), aber bei Viko63 geht es schon ganz gut, finde ich.

Sergei schrieb:Und ja, ich fasse dieses Spiel so auf, dass Songs gewählt werden, die diesen Monat gerade toll sind. Das können sowohl frisch erschienene Songs sein, als auch alte Sachen, die ja deswegen noch lange nicht nicht in diese Zeit passen, für mich ergibt das also schon Sinn…
Und wenn jemand eine alte Sache nominiert, die eindeutig nicht in diese Zeit passt (woran machst du das fest?), dann entspricht das nicht dem Sinn des Spiels?
Zumal wir sowieso keinen Monatsrhythmus zusammenkriegen. Die Songs dieser Runde wurden ab Oktober nominiert, jetzt ist Dezember. Wenn wir die Nominierungen stärker begrenzen, wird das aber vielleicht besser.

Sergei schrieb:Ah OK, ja ich verstehe was du meinst, andererseits gibt das Nichtszusammenhängen der Themen und eben dieser absolut nicht vorhandene Ernst Wendy seinen ganz eigenen Reiz.
Ja, aber einen eher geringen, finde ich.

Sergei schrieb:Allgemein habe ich mich an dieser Bezeichnung "dümmlich" einfach extremst gestört. Ich finde nicht, dass man großen Anspruch oder Komplexität braucht, um schlau (oder was auch immer der Gegenteil von "dümmlich" in diesem Zusammenhang sein soll) zu sein. Aber was genau würdest du denn hier unter "dümmlich" verstehen? Dann kann ich mein Argument vielleicht nochmal darauf bezogen überdenken.
Das Wort „dümmlich“ habe nicht ich gebraucht, sondern der User aus dem Clavio-Forum, den ich zitiert habe. (Und selbst der nicht auf Tiersen bezogen, sondern auf „Gebet einer Jungfrau“, das er freilich auf einer Stufe mit Tiersen sieht.) Ich kann dir nicht sagen, wie er diesen Begriff genau verstanden wissen wollte. Für mich fällt Tiersen wie gesagt unter „Klänge“, nicht unter Musik im engeren Sinn, verstanden als Kunstgattung, die in ihrer höchsten Form – so konservativ bin ich – Klänge einem Prozess unterwirft, sich aber auch auf die bloße Darstellung von Klängen beschränken kann; die müssen dann allerdings nichttrivial sein. Der „Boléro“, den du erwähnst und den ich mit Grund „nicht gerade Ravels bestes Werk“ genannt habe, so wie er selbst mit Grund „vide de musique“, ist eher ein Beispiel für Letzteres (scharfe Abgrenzungen sind natürlich nicht möglich). Aber die beiden Melodien, die dem Endloscrescendo unterworfen werden, sind entschieden nichttrivial, und das Crescendo ist nicht einfach nur ein „immer lauter“, sondern steckt voll feinster französisch-impressionistischer Instrumentierungskunst. Weder das eine noch das andere kann man über Tiersen sagen.

Ich kann deinen Nachdenkprozess auch abkürzen: Du verwendest hier ein argumentum ad populum. Das sollte man nicht. Der Tiersen-Nominator hat es mal schön gesagt:
(20.01.2018, 19:18)Luk schrieb:
(20.01.2018, 19:08)Topolino schrieb: Die Millionen Leser können sich nicht irren.
Aaaaaaalter Schwede. Ich stimme dem Rest deines Beitrags zu, aber genau das, genau das sollte man niemals schreiben. Es gibt eigentlich nur zwei Arten, wie darauf reagiert werden kann: entweder kommt „Millionen von Fliegen können nicht irren, fresst Scheiße“ oder etwas mit der NSDAP.

Sergei schrieb:Tatsache ist, dass diese Musik Gefühle auslöst und das ist auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal, unabhängig davon wie eintönig oder simpel das Werk sein mag.
Nein, ist es nicht. Ich zitiere Frank Zappa:
Frank Zappa schrieb:What I think of as the emotional content of music is probably a lot different than what you think of. Since I write music, I know what the techniques are. If I wanted to write something that would make you weep, I could do it. There's ways to do it. It's a cheap shot.
Interviewer: Would you say it's sentimental?
Zappa: It's not just sentimental. There are certain harmonic climates that you can build. There are certain notes of the scale that you can play within a harmonic climate to "wreak pathos," and it's very predictable. The average guy doesn't know how predictable or easy it is to do that stuff. For example, you've got the key; it's A minor right? And you're going to play a lot of Bs in the key of A minor and that's going to give you that little twinge. Well, that music played on an accordion is not the same as the exact same notes and the same melody and same rhythm played on six bagpipes. It's a different story. So the timbre is involved too. And the amplitude is involved. If that A-minor chord is very quiet and the Bs are just smoothly put in there, that's one attitude. If it's being played by a high school marching band and it's being jammed in your face, it's sad all right, but it's not that kind of sad! In different cultures there are also different norms for how certain sounds are perceived. [...]
Mit Musik Gefühle auszulösen ist ziemlich, ziemlich einfach. Wenn ein Musikstück überhaupt nichts auslöst, ist es entweder wirklich schlecht, oder man hat es noch nicht verstanden. Es gibt große Musik, etwa von Mozart oder Haydn, die nichts weiter auslöst als ein Genussgefühl. Von direkter Emotionalität hält sie sich die meiste Zeit vornehm zurück. Und selbst bei Musik, die ihre Qualität aus Gefühlsausdruck gewinnt, muss man sich fragen: Wie genau macht sie das? Wie fein zeichnet sie die Gefühle nach, wie starke und differenzierte Wirkungen ruft sie hervor? Tiersen macht melancholisch, die Winterreise auch. Aber was für ein himmelweiter Unterschied!

Sergei schrieb:Ich weiß jetzt nicht genau, was genau du unter der Arbeit verstehst, durch Bach und Beethoven durchzusteigen, und bin auch garantiert nicht in der Lage ihr Werk in Gänze zu durchschauen (bezweifle aber dass das überhaupt jemand kann).
Sich so eingehend mit ihrer Kompositionsweise auseinandersetzen, dass man in der Lage ist mitzuvollziehen, was sie da tun. Dass es nicht möglich ist, „ihr Werk in Gänze zu durchschauen“, versteht sich. Große Kunst kann nicht abschließend verstanden werden, nicht einmal von ihrem Urheber.

Sergei schrieb:Du hast auch offenbar eine deutlich größere musikalische Bildung als ich, dennoch kann ich von mir behaupten, mich hin und wieder mit ihrem Werk auseinandergesetzt zu haben. Das hat meine Geduld für einfach Gestricktes nicht verringert. Kann auch sein, dass Bach und Beethoven mich eigentlich in ihrer Komplexität und Tiefe einfach unterbewusst überfordern und ich deswegen einfach Gestricktes als Ausgleich suche, jedenfalls empfinde ich Tiersens Musik ganz und gar nicht als Belästigung.
Jeder nach seiner Façon. Ich persönlich fühle mich von simpler Kunst schnell gelangweilt, es sei denn, es ist eine durch Komplexität hindurchgegangene Simplizität, die durch lange Erfahrung und Übung fähig ist mit wenigen, aber genau richtigen Elementen auszukommen. Händel, der reife Haydn, Mozart und Schubert haben das beherrscht. In der populären Musik lässt sich auf niedrigerem Niveau zum Beispiel „Yesterday“ von den Beatles nennen – die kultische Verehrung hat der Song genauso wenig verdient wie die Band, aber handwerklich vorbildlich ist er auf alle Fälle.

Sergei schrieb:Hammerklaviersonate ist ein anderes Thema. Manchmal habe ich das Gefühl, dieses Werk zu verstehen, nur um dann zwei Takte später wieder komplett rausgeworfen zu werden. Aber was für ein Stück. Und die Fuge… Meine Güte, ich kann Kaiser schon verstehen, dass ihm vieles danach nur noch belanglos vorkommt, aber das ist ein bisschen wie bei Literatur, nur weil ich Les Miserables gelesen habe heißt das nicht dass ich danach nichts Gewöhnliches mehr genießen kann.
„Les Misérables“ ist allerdings keine literarische Hammerklaviersonate. Eher eine zu freilich eindrucksvollen Dimensionen aufgeblasene Seifenoper. Ich kenne aber zugegebenermaßen nur die deutsche Übersetzung, kann also die sprachliche Seite nicht beurteilen.

Sergei schrieb:Nein, ich habe mich nicht durch alle 40 Seiten gelesen (hoffentlich verständlich)
Klar. Hätte ich wahrscheinlich auch nicht gemacht.
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The Strokes - Last Nite : 8
Ganz nett, die Drums gefallen mir ebenso wie die drei (?) Gitarren, der verzerrte Gesang eher weniger.
Pixies - Here Comes Your Man : 6
Gut gemacht und süßes Gitarrenriff aber irgendwie auch langweilig.
Viko63 - Mucho Gusto : 7
Das ist sehr cool auf seine Weise wegen der ironischen Distanz, man könnte die gelangweilten Vocals aber auch als einfach das sehen; gelangweilt. Auf einen Techno-artigen Beat zu rappen finde ich aber an sich eine gute Idee, da kommt ein ganz anderer Flow zustande als bei anderen Hip-Hop-Beats
KitschKrieg - Skyline (Feat. Trettmann) : 4
Der Beat ist wie jeder andere Trap-Beat aus der Zeit (& davon gab es auch von KitschKrieg schon bessere), lediglich die tickende Hi-Hat steht da raus, Trettmanns pseudo-deepe Lyrics sind mittlerweile auch völlig ausgelutscht imo; wem's gefällt...
Seeed - G€ld : 2
Fast ironisch, dass Seeed & Peter Fox die Kommerzialisierung von Kultur hier persifliert (die Line "Money macht Harlem weiß" mochte ich ganz gerne), wenn sie doch seid Jahren den weißesten radio-freundlichsten Pop-Dancehall machen, ebenso das Instrumental hier eine seichte ausgewaschene Mischung aus modernen Pop-Einflüssen und dem Versuch an die jamaikanischen Dancehall-Vorbilder dran zu kommen.
Dua Lipa - Love Again : 7
einer der besseren Radio-Songs, Dua Lipas Stimme gefällt mir echt gut, aber das Instrumental fällt wie so vieles heutzutage in die minimalistische Singer-Songwriter-Schiene die aber so durchproduziert & steril wirkt, dass sie niemals an die rohe Qualität von tatsächlich guten Singer-Songwritern drankommen würde. Dazu noch die EDM-Snares die sich vor dem Refrain anbahnen - eine wilde Mischung die so leblos wirkt.
Franki Valli & The Four Seasons - Beggin' : 8
Für das was es ist sehr cool, ich mag die chor-artigen Stimmen der anderen Bandmitglieder und der wirklich sehr gut gespielte Drum-Break ist sehr funky.
Rick Astley - Never Gonna Give You Up : 5
Dieser Tune hat die völlig saturierte 80er Pop Bombastik - und bei weitem nicht so geschmacksvoll umgesetzt wie beispielsweise Phil Collins. Nicht so mein Fall.
The Beatles - Hey Bulldog : 7
Die Bassline ist cool ansonsten muss ich Primus recht geben die Beatles sind imo völlig überbewertet.
Herman's Hermites - No Milk Today : 4
Unglaublich langweilig aber irgendwie charming.
Blanco - The Great Escape (Feat. Central Cee) : 2
C'mon Der radiofreundliche Drillsound von Central Cee ist nur ein weiter nail in dem Drill coffin in dem sich seit 3 Jahren alles was aus UK kommt genau gleich anhört. Ich mochte es früher auch aber irgendwann befriedigt das auch nicht mehr.
Viko63 - Wendy : 4
Dasselbe wie bei Mucho Gusto, der Beat ist auch ebenso cool (Penglord hat es wirklich drauf) Vikos Performance wird dabei durch sexistische Ausbrüche & stumpfere Lines als bei Mucho Gusto verdorben - schade.
Tears for Fears - The Tipping Point : 9
Hätte mir noch mehr gefallen wenn es die ambienten Ton- & Percussionschichten des Anfangs behalten hätte aber troptzdem sehr schön!
Status Quo - Blackwater / Just Take Me (Live at Glasgow Apollo, 1976) : 5
Boogierock nachdem es schon uncool war, die Kuhglocken die ab dem zweiten Lied einsetzen sind aber sehr cool.
Yann Tiersen - Not That Simple : 10
Als französische Folktronica funktioniert es....
Yann Tiersen - Summer Nursery Rhyme, No. 2 : 2
....als Klassik eher nicht
Jefferson Airplane - White Rabbit : 11
Ich liebe Psychedelic Rock und dieses Stück ist wohl eines der renomiertesten aus jenem Genre - zurecht, denn dieses kurze & knackige Stück hat alles was Psych Rock so mystisch & großartig macht.
The Stranglers - Golden Brown : 9
Schöne Melodien und Bassline einfach, die die Vocals gut begleiten.
David Löhlein - Altai 2 : 7
Es war vielleicht nicht die beste Idee club-ready Techno hier zu nominieren - die Tunes sind vor allem so lang, damit sie sich gut auflegen lassen, mit Elementen anderer Tracks verbinden und somit eine einzigartige hypnotisierende Stimmung zu erzeugen, die man so nur in der Diskothek erleben kann, in einem völlig abgedunkelten Raum mit 50 anderen Leuten an einem Samstag Morgen um 9 Uhr ohne auf die Uhr gucken zu müssen, einfach nur eine der ältesten Kulturpraktiken der Menschen zu fröhnen - tanzen. Zum Track selber ich liebe die besessene Synthline und die im Hintergrund herum glitchenden Claps.
DJ Koze - Planet Hase (feat. mano le tough) : 11
DJ Koze versucht mit seinem Label Pampa Records seit nun 12 Jahren psychedelische, melodie-orientierte aber trotzdem ernsthaft tanzbare Musik in den Vordergrund zu rücken - und seine beiden seitdem erschienenen Alben "Amygdala" und "Knock Knock" zählen imo zu dem besten was in dem Genre des (ernsthaften) Deep / Weirdo House je gemacht wurde.
Jeff Mills - The Bells : 11
Mir völlig unverständlich wieso ihr das alle so hatet, ja es ist ziemlich simpel aber in meinen Augen sofort catching mit den völlig überzogenen Drums & den Synths, die klingen als würde es um das Schicksal eines Raumschiffs gehen. Das ist es auch was mich an Techno so festhält, Loops mögen langweilig sein aber sie sind vor allem maschinell, und die Symbiose aus Mensch und Maschine, die Dichotomie davon tanzbare Musik in der simpelsten und elektronischsten Weise zu machen fasziniert mich sehr - und es macht auch sehr viel Spaß selber aufzulegen oder Techno zu machen (und ist komplizierter als man denkt).
Ludwig Hirsch - Der Dorftrottel (Live aus dem Wiener Konzerthaus, 1992) : 9
Mega aufwühlend trotz oder vielleicht gerade wegen dem ironisierenden Unterton.
Captain Beefheart & His Magic Band - Orange Claw Hammer : 7
Ich liebe Trout Mask Replica und finde auch, dass die wirren Vocals von Captain Beefheart einen großen Teil des Charmes ausmachen - nichtdestotrotz kann ich vor allem dieses Stück nicht ausserhalb des gesamten Albums hören, das ist irgendwie zu random, zu aus dem Kontext (der ja was man mir vorwerfen könnte auf diesem Album gar nicht existiert aber well...) gerissen.
Del Shannon - Runaway : 3
Gar nicht mein Fall, nur das "wo- wo- wo- wo- wonder" / "why why why why" gefällt mir sehr.
Cab Calloway - Minnie the Moocher : 9
halts maul adorno
Lynryd Skynryd - Simple Man : 2
Ah die kultigen Hinterwäldler - hab leider nie so Anschluss zu deren Musik gefunden ist mir zu formulaischer Rock ich weiß nicht.
- - -
(03.12.2021, 22:05)Primus schrieb: Da würde ich doch richtige Minimal Music bevorzugen (Empfehlung: „Music for 18 Musicians“ von Steve Reich).
Klassiker, fand in dem Genre dieses Jahr hervorzuheben Promises kennst du das Primus und wenn ja was hätst du davon?
Würde Altai II übrigens nicht als Minimal Techno bezeichnen, da gibt es zum Beispiel wenn man sich die athmosphärische Seite anschaut das wunderbare Projekt GAS von Wolfgang Voigt (GAS - Zauberberg) und auf der wirklich minimalistischen Techno Seite beispielsweise den Detroiter Produzenten Robert Hood (Robert Hood - Internal Empire)
(03.12.2021, 22:05)Primus schrieb: Ich habe letztens auch so einen unbekannten Soundcloud-Musikproduzenten entdeckt, namens Dezra Gnuy. Der gefällt mir besser als „Altai II“ und „The Bells“ – mehr Persönlichkeit.
haha many thanks Primus! :)
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The Strokes – Last Night  8
Pixies – Here comes your man 6
Viko – Mucho Gusto 2
Trettman – Skyline 2
Seed – G€ld 4
Dua Lipa – Love again  6
The Four Seasons – Beggin 7
Rick Astley – Never gonna  give you up 5
The Beatles – Hey Bulldog 9
Hermans Hermits – No Milk Today 11
Blanko X Central – The great Escape 3
Viko63 – Wendy 3
Tears for Fears – Tehe Tipping Point 7
Status Quo – Backwater/Just Take my Life 8
Yann Tiersen – Not that simple 3
Yann Tiersen – Summer nursery Rhyme No.2  5
Jefferson Airplay – White Rabbit 10
The Strangers – Golden Brown 6
David Löhlein – Abtai2  2
Dj Koze – Planet Hase 2
Jeff Mills – The Bells 2
Ludwig Hirsen – Der Dorftrottel 4
Captain Beefhart – Orange claw Hammer 2
Del Shannon – Runaway 11
Cab Calloway – Minnie the Moocher 10
Lynyrd  Skynyrd – Simple Man 10
The Newbeats – Bread & Butter 8
The Royalettes – It' gonna take a miracle 7
Plus ca change

Plus c'est la meme chose
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(06.12.2021, 01:56)Primus schrieb:
(05.12.2021, 01:27)Sergei schrieb: Ja, das ist wirklich das was ich vorschlagen wollte sorry falls meine Formulierung unverständlich war… ich denke nicht dass das so ineffektiv ist, natürlich klappt es nicht, wenn dann alle 15-Minuten-Songs nehmen, aber eigentlich sollte das ja dann doch die große Ausnahme bleiben. Bei dieser Runde beispielsweise gab es nichts mit dieser Länge. Sollte in der Praxis also klappen.
Ich habe doch ein Rechenbeispiel gebracht: Wenn zwölf User teilnehmen (realistische Maximalzahl), von denen nur ein Drittel (halte ich auch für realistisch) die 15-Minuten-Variante nimmt, liegt die Gesamtdauer schon wieder in der Dimension dieser Runde und sogar noch etwas darüber. Nicht realistisch – da muss ich einen Denkfehler einräumen – war meine Annahme, dass die vier längeren Songs tatsächlich alle 15 Minuten erreichen. Wenn wir das auf durchschnittlich acht Minuten korrigieren, kommen wir auf 1h 20min – immer noch ziemlich viel, ich schätze, dass die Gesamtdauer eine Stunde nicht deutlich überschreiten sollte. Zudem ist das System kompliziert genug, dass es mit Sicherheit für Verwirrung und Missverständnisse sorgen wird (das geht schnell), und irgendwann wird es auf Widerspruch stoßen, weil es auf den ersten Blick unlogisch ist, dass die Grenze für mehrere Songs niedriger ist als für einen. Natürlich wissen wir jetzt alle, wie es dazu kommt, aber wenn Gras über diese Diskussion gewachsen ist und vielleicht neue Mitspieler dazugekommen sind...

Ich bin also weiterhin gegen deinen Vorschlag, aber meine Argumente sind nicht zwingend. Was sagen denn die anderen dazu? Ich verstehe wie gesagt absolut, wenn man keine Lust auf diese Diskussion hat, aber bevor wir neue Regeln in Kraft setzen, müssen wir doch wissen, wie die allgemeine Meinung aussieht.
Da hast du recht. Ich finde zwar nach wie vor, dass mein Vorschlag gerechter ist (dann hat man eben nicht mehr die Problematik dass man nicht zwei zweiminütige Songs aber eben was mit mehr 10 Minuten nominieren darf, was ja einer der Anlässe zur Diskussion war), aber letztendlich ist es doch besser hier möglichst einfache Regeln zu behalten, ich habe also auch nichts gegen den einen-Song-15-Minuten-Vorschlag.

(06.12.2021, 01:56)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Das Lied hat auch gar nicht die Ambition, irgendeinen Alterungsprozess zu überstehen. Wozu auch? Dann würde es nicht mehr funktionieren.
Non sequitur. Nimm nur „OK Computer“ von Radiohead. Ich habe meine Kritikpunkte an diesem Album, aber es drückt mindestens genauso gut ein Lebensgefühl aus wie „Mucho Gusto“, ist 1997 erschienen und wird von Musikliebhabern immer noch hoch geschätzt. Wird man das in 24 Jahren auch über „Mucho Gusto“ sagen können?
Das ist eine interessante Frage, die ich allerdings erst in 24 Jahren beantworten kann. Ausschließen will ich es jedenfalls nicht, zumindest nostalgische Gefühle wird es auf jeden Fall wecken Greenie

(06.12.2021, 01:56)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Und ja, ich fasse dieses Spiel so auf, dass Songs gewählt werden, die diesen Monat gerade toll sind. Das können sowohl frisch erschienene Songs sein, als auch alte Sachen, die ja deswegen noch lange nicht nicht in diese Zeit passen, für mich ergibt das also schon Sinn…
Und wenn jemand eine alte Sache nominiert, die eindeutig nicht in diese Zeit passt (woran machst du das fest?), dann entspricht das nicht dem Sinn des Spiels?
Zumal wir sowieso keinen Monatsrhythmus zusammenkriegen. Die Songs dieser Runde wurden ab Oktober nominiert, jetzt ist Dezember. Wenn wir die Nominierungen stärker begrenzen, wird das aber vielleicht besser.
Ich meinte nur, dass ich dieses Spiel so auffasse, dass Songs nominiert werden können, die diesen Monat gerade toll sind, aber nicht, dass deshalb keine nominiert werden dürfen, die es nicht sind (auch wenn ich bezweifle, dass jemand das tun würde, weil man ja meistens Sachen nominiert die man selber in der Gegenwart gut findet). Das mit dem Monatsrhythmus verstehe ich in dem Zusammenhang nicht ganz, so krass ist es ja jetzt auch wieder nicht, dass Sachen einen Monat gehört werden und dann ein paar Wochen später wieder komplett veraltet sind, „sogar“ Viko ist jetzt schon über ein Jahr da und wird immer noch gerne gehört. Ob das jetzt ein oder zwei Monate dauert spielt da also wirklich keine Rolle. Fände es aber trotzdem gut, wenn wir in Zukunft zu einem regelmäßigeren Rhythmus kommen könnten, eine Begrenzung der Song-Dauer wäre da auf jeden Fall schonmal ein guter Schritt!

(06.12.2021, 01:56)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Allgemein habe ich mich an dieser Bezeichnung "dümmlich" einfach extremst gestört. Ich finde nicht, dass man großen Anspruch oder Komplexität braucht, um schlau (oder was auch immer der Gegenteil von "dümmlich" in diesem Zusammenhang sein soll) zu sein. Aber was genau würdest du denn hier unter "dümmlich" verstehen? Dann kann ich mein Argument vielleicht nochmal darauf bezogen überdenken.
Das Wort „dümmlich“ habe nicht ich gebraucht, sondern der User aus dem Clavio-Forum, den ich zitiert habe.
Das ist mir durchaus bewusst, deswegen habe ich ja auch gefragt, wie du das verstehen würdest und nicht wie du es gemeint hast Zwinkern

(06.12.2021, 01:56)Primus schrieb: Für mich fällt Tiersen wie gesagt unter „Klänge“, nicht unter Musik im engeren Sinn, verstanden als Kunstgattung, die in ihrer höchsten Form – so konservativ bin ich – Klänge einem Prozess unterwirft, sich aber auch auf die bloße Darstellung von Klängen beschränken kann; die müssen dann allerdings nichttrivial sein. Der „Boléro“, den du erwähnst und den ich mit Grund „nicht gerade Ravels bestes Werk“ genannt habe, so wie er selbst mit Grund „vide de musique“, ist eher ein Beispiel für Letzteres (scharfe Abgrenzungen sind natürlich nicht möglich). Aber die beiden Melodien, die dem Endloscrescendo unterworfen werden, sind entschieden nichttrivial, und das Crescendo ist nicht einfach nur ein „immer lauter“, sondern steckt voll feinster französisch-impressionistischer Instrumentierungskunst. Weder das eine noch das andere kann man über Tiersen sagen.

Ich kann deinen Nachdenkprozess auch abkürzen: Du verwendest hier ein argumentum ad populum. Das sollte man nicht. Der Tiersen-Nominator hat es mal schön gesagt:
(20.01.2018, 19:18)Luk schrieb:
(20.01.2018, 19:08)Topolino schrieb: Die Millionen Leser können sich nicht irren.
Aaaaaaalter Schwede. Ich stimme dem Rest deines Beitrags zu, aber genau das, genau das sollte man niemals schreiben. Es gibt eigentlich nur zwei Arten, wie darauf reagiert werden kann: entweder kommt „Millionen von Fliegen können nicht irren, fresst Scheiße“ oder etwas mit der NSDAP.
Und genau das ist das Ding. Die NSDAP lasse ich mal lieber weg und nehme mir das Fliegen-Argument. Sagen wir also, Tiersens Musik sei Scheiße. Na und? Dann hören wir halt Scheiße, weil die anderen es hören. Vielen wird es gefallen und sie werden schöne Momente verbringen. Anderen nicht. Keiner aber wird Schaden daran nehmen, keiner wird vergiftet werden oder auch nur verdummen oder so. Musik ist halt nichts was sich einfach in gut und schlecht einteilen lässt wie ein Haufen Scheiße oder grauenhafte menschenverachtende Ideologien. Mir fällt weniges ein, das so subjektiv ist wie die Wahrnehmung von Musik. Und eine ihrer etlichen Aufgaben ist es, zu gefallen. Für die einen Leute ist es halt einfach gut. Für andere nicht, doch es können so viele sein wie du willst, wenn es immer noch welche gibt, die es gut finden, dann ist es einfach nicht schlecht.

(06.12.2021, 01:56)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Tatsache ist, dass diese Musik Gefühle auslöst und das ist auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal, unabhängig davon wie eintönig oder simpel das Werk sein mag.
Nein, ist es nicht. Ich zitiere Frank Zappa:
Frank Zappa schrieb:What I think of as the emotional content of music is probably a lot different than what you think of. Since I write music, I know what the techniques are. If I wanted to write something that would make you weep, I could do it. There's ways to do it. It's a cheap shot.
Interviewer: Would you say it's sentimental?
Zappa: It's not just sentimental. There are certain harmonic climates that you can build. There are certain notes of the scale that you can play within a harmonic climate to "wreak pathos," and it's very predictable. The average guy doesn't know how predictable or easy it is to do that stuff. For example, you've got the key; it's A minor right? And you're going to play a lot of Bs in the key of A minor and that's going to give you that little twinge. Well, that music played on an accordion is not the same as the exact same notes and the same melody and same rhythm played on six bagpipes. It's a different story. So the timbre is involved too. And the amplitude is involved. If that A-minor chord is very quiet and the Bs are just smoothly put in there, that's one attitude. If it's being played by a high school marching band and it's being jammed in your face, it's sad all right, but it's not that kind of sad! In different cultures there are also different norms for how certain sounds are perceived. [...]
Mit Musik Gefühle auszulösen ist ziemlich, ziemlich einfach. Wenn ein Musikstück überhaupt nichts auslöst, ist es entweder wirklich schlecht, oder man hat es noch nicht verstanden. Es gibt große Musik, etwa von Mozart oder Haydn, die nichts weiter auslöst als ein Genussgefühl. Von direkter Emotionalität hält sie sich die meiste Zeit vornehm zurück. Und selbst bei Musik, die ihre Qualität aus Gefühlsausdruck gewinnt, muss man sich fragen: Wie genau macht sie das? Wie fein zeichnet sie die Gefühle nach, wie starke und differenzierte Wirkungen ruft sie hervor? Tiersen macht melancholisch, die Winterreise auch. Aber was für ein himmelweiter Unterschied!
Ich glaube wir sind uns einig, dass die Winterreise kein Vergleich mit Tiersen ist. Und dass es einfach ist, traurige Stimmungen zu erzeugen sowieso. Dennoch halte ich das für ein Qualitätsmerkmal, zumal Tiersen nicht nur a-moll spielen lässt und hin und wieder ein h reinschmeißt. Klar, der harmonische Aufbau ist äußerst simpel (das Stück besticht auch durchn ebendiese Klarheit), aber hinzu kommen noch Melodie, Instrumentalisierung usw. und das Ergebnis vermittelt mehr Stimmungen als Traurigkeit.

Aber durch diese Diskussion habe ich jetzt doch zunehmend den Unterschied zwischen wirklich großer Musik und Tiersen verstanden. Nicht, dass ich ihn jemals zu den ganz Großen gezählt hätte, aber seine Musik hatte für mich doch immer etwas unfassbar Tolles, das du jetzt ziemlich entzaubert hast Greenie Also OK, ich würde den Stücken jetzt keine ganz so gute Bewertung geben. Aber um nochmal zum Anfang der Diskussion zurückzukehren: Doch, für mich ist das immer noch Musik und wahrlich keine schlechte. Letztendlich haben wir aber einfach zwei unterschiedliche Ansichten von Musik, durch die wir wohl kaum auf einen gemeinsamen Nenner kommen werden: Während du die Musik offenbar in einem sehr engen Sinne siehst, sehe ich sie wohl ihn ihrem weitesten Sinne – darüber hinaus gibt es halt gute Musik (da würde ich Tiersen einordnen), wirklich gute Musik (da fängt wahrscheinlich dein Wahrnehmungsbereich an) und Meisterwerke.

(06.12.2021, 01:56)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Du hast auch offenbar eine deutlich größere musikalische Bildung als ich, dennoch kann ich von mir behaupten, mich hin und wieder mit ihrem Werk auseinandergesetzt zu haben. Das hat meine Geduld für einfach Gestricktes nicht verringert. Kann auch sein, dass Bach und Beethoven mich eigentlich in ihrer Komplexität und Tiefe einfach unterbewusst überfordern und ich deswegen einfach Gestricktes als Ausgleich suche, jedenfalls empfinde ich Tiersens Musik ganz und gar nicht als Belästigung.
Jeder nach seiner Façon. Ich persönlich fühle mich von simpler Kunst schnell gelangweilt, es sei denn, es ist eine durch Komplexität hindurchgegangene Simplizität, die durch lange Erfahrung und Übung fähig ist mit wenigen, aber genau richtigen Elementen auszukommen. Händel, der reife Haydn, Mozart und Schubert haben das beherrscht. In der populären Musik lässt sich auf niedrigerem Niveau zum Beispiel „Yesterday“ von den Beatles nennen – die kultische Verehrung hat der Song genauso wenig verdient wie die Band, aber handwerklich vorbildlich ist er auf alle Fälle.
Das ist dann wohl einfach die vielzitierte „Geschmacksache“…

(06.12.2021, 01:56)Primus schrieb:
Sergei schrieb:Hammerklaviersonate ist ein anderes Thema. Manchmal habe ich das Gefühl, dieses Werk zu verstehen, nur um dann zwei Takte später wieder komplett rausgeworfen zu werden. Aber was für ein Stück. Und die Fuge… Meine Güte, ich kann Kaiser schon verstehen, dass ihm vieles danach nur noch belanglos vorkommt, aber das ist ein bisschen wie bei Literatur, nur weil ich Les Miserables gelesen habe heißt das nicht dass ich danach nichts Gewöhnliches mehr genießen kann.
„Les Misérables“ ist allerdings keine literarische Hammerklaviersonate. Eher eine zu freilich eindrucksvollen Dimensionen aufgeblasene Seifenoper. Ich kenne aber zugegebenermaßen nur die deutsche Übersetzung, kann also die sprachliche Seite nicht beurteilen.
Oh nein, das sehe ich aber ganz anders. Hier scheint wahrscheinlich meine französische Schulzeit durch, aber les Misérables als eine „zu freilich eindrucksvollen Dimensionen aufgeblasene Seifenoper” zu bezeichnen, kommt mir eigentlich schon Gotteslästerung gleich. Sorry, aber dieses Werk ist facettenreicher als alle Seifenopern dieser Welt zusammen, vereint historischen Roman, Philosophie und Gesellschaftskritik mit einer handwerklichen und sprachlichen Meisterschaft (OK, ob das mit der deutsche Übersetzung verlorengeht kann ich nicht beurteilen) und hat eine Tiefe und Komplexität in der Handlung, die ich bisher noch in keinem anderen romantischen Werk finden konnte. Für mich schafft eher die Hammerklaviersonate nicht en Vergleich mit den Miserables als umgekehrt. Das geht jetzt aber sehr weit OT.
D.U.C.K. (Dedicated to Unca Carl and Keno)
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