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Wenig beachtete Barks-Comics
#21
Das verstehe ich sehr gut, dass ihr große Probleme mit Andraes Ansatz habt. Ich habe ihn vielleicht auch etwas zu unkritisch übernommen (übrigens seid ihr immer noch viel zu nett zu mir, ich warte darauf, dass ihr mich mal beleidigt  Frech). Aber es ist vermutlich trotzdem gut, dass ich hier viel von Andrae übernehme, da bekommt ihr eine bessere Vorstellung von seinem Buch (das beschäftigt sich allerdings mit sehr vielen Themen, da ist die von Andrae attestierte Misogynie nur eins davon).
Männlichkeitsvorstellungen sind trotzdem ein wichtiger Teil in den Barks-Comics, das war mir wichtig festzuhalten (@Sergei: es geht nicht nur um Albträume oder warum würde Donald sonst panisch flüchten, sobald die Frauen mitbekommen, dass er häkelt?). Solche Vorstellungen und Ängste waren damals (wohl unbewusst) Teil vieler männlicher Amerikaner, insofern repräsentiert Donald wieder einmal den Durchschnittsbürger. Inwiefern das jetzt auf Barks persönlich zurückzuführen ist, sei dahingestellt, vielleicht hat er auch nur gängige Vorstellungen karikiert. Andrae hat sich natürlich auch lange genug mit Barks unterhalten, vielleicht hat er da was mitgekriegt, was so gar nicht in den Interviews publiziert wurde und daraus seine Schlüsse gezogen...
Im Verhältnis zu anderen Comics haben wir bei Barks sehr wenige Frauen in wichtigen Rollen. Auch bei Asterix gibt es wenige, aber doch ein paar mehr als bei Barks (und es werden ja in den späteren Comics immer mehr). Tim und Struppi wird allerdings genau der gleiche Vorwurf gemacht und auch da gibt es teilweise schräge psychologische Analysen (die Freudianer schrecken vor nichts zurück, schnüff). Einige von euch haben vermutlich eh schon die Theorie gehört, dass Tim homosexuell sein soll... Wenn wir allerdings mit Scarpa vergleichen, haben wir da um einiges mehr wichtige Frauen.
Was man vielleicht noch ergänzen sollte, ist, dass auch bei Barks in den späteren Comics tendenziell mehr positive Frauen vorkommen (Oma wird immer wichtiger und Daisy wirkt manchmal ganz sympathisch). Ich lehne mich jetzt vielleicht ein bisschen aus dem Fenster, wenn ich das auf den Einfluss von Garé zurückführe.
C.A.R.L.B.A.R.K.S. (Comicliebende, außerordentlich redegewandte Leseratte, barksistischer Allroundexperte, Rottenführer kluger Schweiflinge)
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#22
Ich glaube du lehnst dich gar nicht weit aus dem Fenster wenn du das sagst. Bekanntlich waren Barks' Erfahrungen mit seinen ersten zwei Frauen größtenteils nicht gerade positiv, mit Garé hat sich das geändert. Da kann es natürlich sein, dass sein Frauenbild sich mit ihr gewandelt hat, es würde mich sogar wundern wenn nicht.
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#23
(10.02.2021, 10:17)McDuck schrieb: (übrigens seid ihr immer noch viel zu nett zu mir, ich warte darauf, dass ihr mich mal beleidigt  Frech)

Also wenn es das ist was du gerne möchtest … Nein, mache ich trotzdem nicht. Zwinkern
Plus ca change

Plus c'est la meme chose
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#24
PS: Ich kann dich auch beleidigen wenn du darauf wartest. Du musst es nur sagen  Greenie

@Mile: Zwei Dumme, ein Gedanke…
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#25
(10.02.2021, 11:08)Sergei schrieb: PS: Ich kann dich auch beleidigen wenn du darauf wartest. Du musst es nur sagen  Greenie

Ich schreib doch schon, dass ich drauf warte. Und der Kommentar zu Beginn bedeutet doch auch nichts anderes:
Zitat:Ich werde hier voraussichtlich zweimal pro Woche updaten, damit ihr auch genügend Zeit habt, um meine Analysen zu lesen und mich dann nach aller Regel der Kunst zu beschimpfen und zu beleidigen.

Ihr solltet inzwischen doch wissen, wie ich ticke (und Sergei kennt mich ja schon lange genug um zu zu wissen, dass ich genauso durchgeknallt sein kann wie er). Ihr müsst nicht alles ernst nehmen, was ich so von mir gebe Zynik Frech Greenie Zwinkern
C.A.R.L.B.A.R.K.S. (Comicliebende, außerordentlich redegewandte Leseratte, barksistischer Allroundexperte, Rottenführer kluger Schweiflinge)
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#26
(10.02.2021, 13:26)McDuck schrieb:
(10.02.2021, 11:08)Sergei schrieb: PS: Ich kann dich auch beleidigen wenn du darauf wartest. Du musst es nur sagen  Greenie

Ich schreib doch schon, dass ich drauf warte. Und der Kommentar zu Beginn bedeutet doch auch nichts anderes:
Zitat:Ich werde hier voraussichtlich zweimal pro Woche updaten, damit ihr auch genügend Zeit habt, um meine Analysen zu lesen und mich dann nach aller Regel der Kunst zu beschimpfen und zu beleidigen.

Stimmt, das war mir auch schon aufgefallen als ich das geschrieben habe. Ich formuliere neu: Sags wenn du es willst. Im nächsten Zug nach Wien werde ich sein.

(10.02.2021, 13:26)McDuck schrieb: Ihr solltet inzwischen doch wissen, wie ich ticke (und Sergei kennt mich ja schon lange genug um zu zu wissen, dass ich genauso durchgeknallt sein kann wie er). Ihr müsst nicht alles ernst nehmen, was ich so von mir gebe Zynik Frech Greenie Zwinkern
Ui, da setzt du die Latte aber ganz schön hoch  Greenie
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#27
Ich hab jetzt den Text noch ein bisschen erweitert, damit ist er vielleicht etwas genießbarer und die mir wichtigen Punkte sind präzisiert.

@Sergei: Wenn du das so verstehen willst und cartesianisch jeden Quack von mir bezweifeln willst, darfst du das gerne tun, es gibt ohnehin zu wenig kritisch denkende Menschen.
@alle, zur Erklärung: Ich meine meine ganzen dummen Scherze, die ich so von mir gebe (à la "beleidigt mich"), seit ich die geheiligte, weihrauchgeschwängerte Schwelle zum Forum überschritten habe. Und Sergei und ich kennen uns ja schon länger, wir haben schon etliches in dieser Art ausgetauscht.
Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate nel pensiero del McDuck. You have been warned!
C.A.R.L.B.A.R.K.S. (Comicliebende, außerordentlich redegewandte Leseratte, barksistischer Allroundexperte, Rottenführer kluger Schweiflinge)
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#28
Das Zitat von Barks, das in der Daisy-Anthologie zitiert wurde, ging laut meiner Erinnerung in die Richtung, dass Daisy und Minnie nicht besonders viel Stoff für die Comics hergegeben hätten. Ich denke aber schon, dass eine gewisse Misogynie da auch mit reinspielte. Ob diese nun einfach typisch für die Zeit war oder bei Barks doch ein wenig stärker ausgeprägt als bei seinen Zeitgenossen, kann ich nicht wirklich beurteilen. Das Problem des sehr männerlastigen Disney-Comicuniversums beschäftigt uns ja bis heute - und selbst Zerrbilder wie die Welt der Shaws sind im Prinzip schon bei Barks angelegt.

Was den psychoanalytischen Ansatz angeht, so finde ich diesen schon legitim. Es geht ja gerade darum, dass Stereotype eben gerne unbewusste Ängste ausdrücken, und das Bild der "vagina dentata" habe ich selbst auch schon hier im Forum bemüht. Ob Scarpa bei "Im goldenen Käfig" bewusst die sexuelle Revolution thematisieren wollte wie Plattnase meinte, wage ich auch mal zu bezweifeln, aber die Motive in der Geschichte (die übrigens einen interessanten Bezug zu Barks hat) sind halt doch ziemlich eindeutig. Gerade das ist ja auch der Reiz der Interpretation eines Kunstwerks, sei es nun ein Gedicht oder ein Comic :)
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#29
Schockiert 
Okay, nachdem ich euch Nummer vier eigentlich schon fürs Wochenende angekündigt und natürlich nicht geschafft habe (und es heute mittag posten wollte, wenn ich mich nicht zu häufig beim Passwort verschrieben und gesperrt worden wäre  Schockiert), jetzt endlich der nächste Text.


Die Goldgrube

Von all den zehn wenig beachteten Comics, die ich ausgewählt habe, ist Die Goldgrube der am wenigsten beachtete, eine Geschichte, die wohl nur wenige sofort mit Barks in Verbindung bringen. Worum geht es? Tick, Trick und Track spielen Schatzsuche und entwerfen dafür eine Schatzkarte. Unglücklicherweise gerät diese in Donalds Hände, der glaubt, eine echte Schatzkarte vor sich zu haben. Er macht sich mit seinen Neffen auf, ohne diesen zu verraten, wonach er sucht. Im Gebirge findet er den Platz, auf den die angebliche Schatzkarte hinweist, setzt einen Wächter außer Gefecht. Doch in Wahrheit handelt es sich um ein Raketentestgelände und eine V2-Rakete ist bereits im Anflug. Donald überlebt den Aufprall und findet tatsächlich Gold.

Zunächst einmal kann darauf hingewiesen werden, dass Barks diese Geschichte, wie so viele andere, später umarbeitete, und zwar zu Einsame Insel zu verkaufen. Ab Mitte der 1950er griff Barks vor allem in den Zehnseitern häufig auf Plots früherer Geschichten zurück, da er zunehmend weniger Ideen hatte. Sein Geist sei kein Brunnen ohne Grund und berge nur begrenzte Möglichkeiten, klagte Barks, und ab dieser Zeit fühlte er sich, als sei sein Brunnen bereits großteils leergeschöpft. Das Aufgreifen früherer Geschichten geschah allerdings auch deshalb, weil Barks ein größeres Arbeitspensum zu bewältigen hatte (die Uncle Scrooge-Hefte schrieb und zeichnete er fast im Alleingang und auch für die monatlichen Zehnseiter im WDC war er noch zuständig, dazu kamen ab 1959 zeichnerische Umsetzungen von Daisy Duck and Grandma Duck's Farm Friends Skripts). Mit all den Verpflichtungen versuchte Barks, möglichst schnell und möglichst früh mit den Geschichten fertig zu werden. Auch Western unterstützte ihn dabei, denn die Redakteure fanden die Ideen zu gut, um sie nur einmal verwenden zu können. Zusätzlich muss betont werden, dass in der damaligen Zeit Barks und die Redakteure wohl zu Recht davon ausgehen konnten, dass sich kaum ein jugendlicher Leser Ende der 50er an Geschichten erinnerte, die zehn Jahre zuvor erschienen waren.

Mit Einsame Insel zu verkaufen verlegte Barks die Handlung in die Südsee und dämpfte den Höhepunkt der Geschichte. Statt einer klar militärischen Rakete handelt es sich bei dem Remake um Versuche der automatischen Löschung von Bränden. Die Gefahr für Donald ist also wesentlich geringer. Auch die Bildsprache der Vorlage ist mit der auf den Zielkreis zurasenden Rakete extremer als beim Remake. Diese Abschwächung war auch ganz klar erforderlich. Einsame Insel zu verkaufen entstand 1959 in einer relativen Friedenszeit, solch drastische Bilder passten nicht mehr. Die Goldgrube entstand 1947 und damit vor dem unmittelbaren Hintergrund des Abwurfs von Atombomben.

Die USA hatten ihre erste Atombombe 1945 in New Mexico gezündet und noch im selben Jahr zwei Bomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen, eine Entscheidung, die weniger wegen des zu Ende gehenden Zweiten Weltkriegs und des zu erwartenden Häuserkampfes gegen die japanische Armee geschah, sondern als erstes Zeichen des dräuenden Kalten Krieges. Die militärische Vormachtstellung der USA währte allerdings nicht lange, denn bereits 1948 zündete die Sowjetunion ihrerseits die erste Atombombe. Die aufgeheizte Stimmung in den USA (bereits vor 1948 war das Schreckgespenst der sowjetischen Bombe kursiert) kulminierte letztlich in der McCarthy-Zeit und damit der rücksichtslosen Verfolgung angeblicher Kommunisten (ein Faktor, auf den ich in einem anderen Text noch einmal kurz eingehen werde).

Die Angst vor der absoluten Katastrophe und damit der atomaren Zerstörung zieht sich durch etliche Barks-Geschichten der 1940er, allerdings fast immer in verklausulierter Form. In Im Land der Vulkane beispielsweise ist es der Ausbruch des Pic Poltron, der eine Katastrophe heraufbeschwört (allerdings als Popcorn-Ausbruch ins Absurde gezogen). In Der Feuerteufel ist die Gefahr noch realer, da es um Brandstiftung geht. All diese Geschichten zeigen die Gefahr einer Zerstörung durch Krieg, in schlimmster Konsequenz die Bombe, und die Gefahr, die von Psychopathen ausgehen kann, etwa in Terror auf dem Strom. In Die Goldgrube ist die Bombe tatsächlich die große Gefahr, kaum ein Disney-Comic umgeht das Tabu, Bomben und die von ihnen ausgehende Gefahr zu zeigen, stärker als diese Geschichte.

Abgesehen davon, dass die Angst vor atomarer Zerstörung Ende der 1940er ohnehin in der amerikanischen Bevölkerung groß war und Barks mit erfasste, war der Entenvater prinzipiell gegen den Krieg. In seiner Jugend hatte er noch als Soldat in den Ersten Weltkrieg ziehen wollen, war jedoch zu jung, um rekrutiert zu werden. Doch dann änderte sich seine Einstellung drastisch: „Und dann kommt dieser Zweite Weltkrieg und ich habe in der Zwischenzeit meine Lektion gelernt. Als ich sah, wie wenig wir mit dem Ersten Weltkrieg erreicht hatten, dachte ich mir, warum zum Teufel eine weitere ganze Generation junger Männer vernichten, um dasselbe Resultat zu erzielen?“ Auch nach dem Krieg befand sich Barks unter der kleinen Minderheit von Amerikanern, die im Sinne des Neoisolationismus jedwede Einmischung in anderen Ländern ablehnten (über 80% waren für Interventionen, ein in der amerikanischen Geschichte selten erreichter, enorm hoher Wert). Sein Antimilitarismus hatte mit dazu beigetragen, dass Barks die Disney-Studios verließ, die während der 40er zu einem Gutteil auf Propagandamedium für die amerikanische Kriegsführung umsattelten. Barks entwarf nur wenige Kriegscartoons mit Donald, darunter Donald Gets Drafted, die aber gleichwohl starke Satiren des Krieges boten und die glanzvolle Propaganda mit den harten Zuständen im Militär verglichen. Wenige andere Mitarbeiter des Studios hätten wohl derartige Filme entworfen und auch die Comics, die Barks in den 1940ern schrieb, wären wohl ohne seine grundsätzliche Antikriegshaltung kaum möglich gewesen. Diese grundsätzliche, von nur wenigen anderen in dem Ausmaß geteilte Einstellung, die seine Geschichten so sehr prägte und die in den 60ern erneut zum Tragen kam (dazu ein andermal mehr), macht Barks' Geschichten faszinierend und verleiht ihnen immer noch eine erstaunliche Aktualität.

Zusammenfassung: Auf zwei wichtige Faktoren habe ich hingewiesen: Zum einen auf die Remakes von Zehnseitern, die Barks ab Ende der 1950er begann und die seinem wachsenden Arbeitspensum, aber auch Abnutzungserscheinungen geschuldet waren, zum anderen auf die Antikriegshaltung des duck man. Diese Haltung prägte viele Geschichten der 1940er, die auch generell eine Angst vor Zerstörung und Psychopathen auszeichnet und die an Die Goldgrube gut beobachtet werden kann.
C.A.R.L.B.A.R.K.S. (Comicliebende, außerordentlich redegewandte Leseratte, barksistischer Allroundexperte, Rottenführer kluger Schweiflinge)
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#30
Ich bin hintennach, ich weiß, aber ich hab auch nicht damit gerechnet, dass mein Februar so dicht wird. Jedenfalls Halbzeit! Der heutige Text ist lediglich eine gute Zusammenfassung von dem, was die meisten sicherlich wissen, aber ich konnte ja schlecht daran vorbei  Zwinkern


13 Trillionen

13 Trillionen ist die dritte Geschichte, die Uncle Scrooge als titelgebenden Helden führt. Sie entstand in einer Umbruchphase sowohl von Barks' Leben als auch dessen Schaffen und sie sticht aus mehreren Gründen hervor. Zunächst ist es die erste lange Barks-Geschichte, die im Original keinen Titel hat. Barks verzichtete für zwei Jahre darauf, seinen langen Geschichten Titel zu geben, was sie aber auch besonders interessant macht. Dem Leser, der 1954 das erste Mal Der verlorene Zehner aufschlug, verkündete kein englischer Titel auf der ersten Seite, dass das Abenteuer ihn nach Atlantis führen würde. Von der Titelseite weder dieses Comics noch des nächsten langen Abenteuers, Der verhängnisvolle Kronenkork, konnte der Leser irgendwie ableiten, um was es in der Geschichte gehen würde. Während Barks in den 1940ern mit stimmigen Eröffnungspanels den exotischen Geist seiner Schauplätze einfing, ließ er in den 1950ern die Leser im Dunkeln tappen.

Privat bedeuteten die ersten Jahre der 1950er einen enormen Tiefpunkt. Carls zweite Frau, Clara Balken, war alkoholabhängig. Eine imaginierte Krebserkrankung hatte dazu geführt, dass sie einen willigen Arzt gefunden hatte, der ihr 1951 das Bein amputierte. Barks, der nicht krankenversichert war, musste die Arztrechnungen aus eigener Tasche und damit aus den Gagen der Comicgeschichten zahlen. Ihre Alkoholsucht besserte sich dadurch nicht, ganz im Gegenteil. Oft war Clara höchst aggressiv und zerstörte etwas. Dazu gehörten auch Zeichnungen ihres Gatten, die Barks glücklicherweise noch retten konnte. Als er mit Der arme reiche Mann beschäftigt war, musste er das Haus verlassen und sich in einem billigen Motel einquartieren, aus Furcht, Clara könnte seine Zeichnungen zerstören oder ihn sogar in einem Anfall mit dem Küchenmesser umbringen. 1951 schließlich trennten sich die beiden. Doch Barks musste einen Scheidungsprozess durchstehen, in dessen Folge Claras Anwälte ihm so gut wie alles wegnahm, was er hatte, und ihn für die Zukunft verpflichtete, Clara Alimente zu zahlen. Und dies mit dem ohnehin geringen Verdienst eines Comiczeichners.

Barks' Frustrationen sind in Der goldene Helm und 13 Trillionen stark spürbar. Der windige Rechtsverdreher Wendig fußt auf seinen negativen Erfahrungen mit den Anwälten seiner Frau. Bei Nellys Diebstahl ist der Einfluss des Prozesses ebenso greifbar, genauso wie wenn Dagobert seinerseits Nelly alles wegnehmen will, was sie hat. Aber auch Schubiack schöpft seine Bösartigkeit aus Barks' bitteren Erfahrungen, dass es Menschen gibt, die anderen einfach alles wegnehmen wollen.

Und noch aus einem weiteren Grund ist 13 Trillionen ein Wendepunkt: Die Geschichte steht am Endpunkt der allseits bekannten Entwicklung Dagoberts vom Misanthropen, Gier- und Geizhals und machthungrigen Paradegegner Donalds zum Titelhelden seines eigenen Magazins. Mit 13 Trillionen verfolgte Barks explizit die Strategie, Dagobert quasi neu zu schaffen und zu einem liebenswerten Helden, mit Macken, gewiss, zu machen. Indem er ihn gegen Schubiack antreten ließ, zeigte er erstmals, dass es noch weitaus bösere Zeitgenossen gibt, die, Dagoberts frühere negative Charaktereigenschaften spiegelnd, fast als dessen böse Zwillinge fungieren. Ist dies bei Schubiack zum Teil bereits angelegt, ist die Zwillingsthematik bei Mac Moneysac bereits prägend. Den Kampf zwischen Moneysac und Dagobert, der ja in der ersten Geschichte unter der sengenden Hitze Afrikas ausgetragen wird, sei, so Geoffrey Blum, in Wahrheit ein Kampf im Inneren von Dagoberts Seele zwischen den beiden in seinem Charakter angelegten Gegenpolen. Auch in 13 Trillionen kommen die inneren Selbstzweifel Dagoberts zum Ausdruck, doch er rettet Schubiack schließlich freiwillig, nur um sofort von diesem betrogen zu werden. „Wenn ich die Neffen Dagobert hätte festbinden lassen, sodass sie den Gauner retten könnten, würde man kaum Sympathien für Dagobert haben, aber die Tatsache, dass er mithalf den Mann zu retten und ins Gesicht getreten wurde, machte ihn liebenswert.“

Die Wandlung Dagoberts zum self-made man war eine längerfristige und sie inkludierte natürlich Der arme reiche Mann ebenso wie Wiedersehn mit Klondike, die Dagoberts Vermögen auf harte Arbeit und nicht mehr auf Betrug und Brandschatzung zurückführten. Gerade die letzte Geschichte in ihrer zensierten Version machte ihn zum moralischen Helden (die unzensierte inkludierte bekanntlich die Entführung Nellys, die der Redakteurin Alice Cobb sauer aufstieß und die der wichtigste Grund für die Zensur war). Noch stärker ist dies in 13 Trillionen ausgeprägt. Um Dagoberts Ehrenhaftigkeit zu bestärken, erfand Barks sogar einen neuen Vorfahren und rückte damit die Familiengeschichte in wesentlich besseres Licht, als es die hab- und fressgierigen, geizigen Vorfahren Dagoberts in Das Gespenst von Duckenburgh getan hatten.

Zuletzt sollte noch der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen werden, dass Geoffrey Blum das Meer für die eigentliche Hauptfigur der Geschichte hält. Um es in Blums schönen, von mir in der Form kaum erreichbaren Worten wiederzugeben: „Kein anderes Abenteuer“ befasst sich „so intensiv mit dem Meer und seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen. Wenn wir vom Meeresboden und den dort lagernden Schiffswracks […] genug haben, trägt uns Barks an die Oberfläche und verzaubert uns durch viel Weiß oder setzt uns der Kraft eines Wirbelsturmes, der den Inhalt seines Tintenfasses über die ganze Seite verteilt, aus. Aber es gibt kein Vertun: In dieser Geschichte spielt das Meer die Hauptrolle. Und einem Titel gleich, läßt es die „menschlichen“ Charaktere winzig und hilflos erscheinen und unterwirft sie, bis ihre Individualität zu verschmelzen scheint.“ Und weil ich diesen poetischen Worten zum Schluss mit einer schnöden Zusammenfassung wieder jeglichen Reiz rauben würde, verzichte ich diesmal darauf und hoffe, dass ihr mir trotzdem mit dem Lesen des gesamten Textes gewogen bleibt.
C.A.R.L.B.A.R.K.S. (Comicliebende, außerordentlich redegewandte Leseratte, barksistischer Allroundexperte, Rottenführer kluger Schweiflinge)
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#31
Wieder einmal tolle Texte. Ich habe mich noch nie so sehr mit Barks' Vergangenheit beschäftigt. Deine Texte lassen die Comics für mich teilweise in ganz neuem Licht erscheinen. Danke dafür Gut
G.R.I.F.F.E.L C.: GRoßer Internationaler Fan der Fantastischen Eindrucksvollen Lobenswerten Comics

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#32
(22.02.2021, 10:58)G.R.I.F.F.E.L. C. schrieb: Wieder einmal tolle Texte. Ich habe mich noch nie so sehr mit Barks' Vergangenheit beschäftigt. Deine Texte lassen die Comics für mich teilweise in ganz neuem Licht erscheinen. Danke dafür Gut

Dafür habt ihr mich ja Zwinkern 
So wie dir gehts ja vermutlich einigen. Es ist jammerschade, dass in den allermeisten Barks-Publikationen keine Artikel mehr abgedruckt sind. Da muss man schon die alte Barks Library oder wie Mile die CBC haben, um sich mit den Hintergründen auszukennen. Andererseits auch wieder gut, sonst wäre mein Barks Deep Dive hier ja ziemlich sinnlos, wenn ihr ohnehin schon alles wisst.
Der Dammbruch in Der arme reiche Mann ist an sich schon höchste Comickunst, aber er wird noch um einiges interessanter, wenn man weiß, dass er ein reales Vorbild hatte (siehe Analyse 1)
C.A.R.L.B.A.R.K.S. (Comicliebende, außerordentlich redegewandte Leseratte, barksistischer Allroundexperte, Rottenführer kluger Schweiflinge)
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#33
In den letzten zwei Classic Editionen gab es jeweils einen kleinen Text in einer Werbelücke, einmal zu Das Wiesenfest und einmal zu Die Quizsendung. Sind zwar allein schon aus Platzgründen sehr mager, aber trotzdem ganz interessant.
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#34
Jaah, das stimmt schon, sowas gibts auch in anderen Publikationen, aber das steht ja in keinem Vergleich zu den alten Artikeln von Blum und Andrae Seufz
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#35
Über 1000 Aufrufe - wie schön (selbst wenn man mein manisches ständige Nachgucken rausrechnet). Diesmal liege ich gut in der Zeit mit Nummer sechs.


Geld fällt vom Himmel

Diese Geschichte als „wenig beachtet“ zu titulieren, kommt an sich schon einem halben Sakrileg gleich, immerhin handelt es sich um einen äußerst wichtigen Zehnseiter von Barks. Dennoch fällt im Vergleich die Beschäftigung mit dieser Geschichte bescheiden aus. Gegenüber den langen Abenteuergeschichten haben die Zehnseiter – wenngleich oft ebenso interessant – meist das Nachsehen. Dies tut meiner Begeisterung für die kurzen Geschichten allerdings keinen Abbruch und sollte auch bei den Barksfans zu keiner schlechteren Wertung dieser führen.

Die Wahl von Geld fällt vom Himmel als sechstes Analyseobjekt ist chronologisch wenig nachvollziehbar, aber trotzdem folgerichtig: Während 13 Trillionen den Endpunkt der barksschen Transformation Dagoberts kennzeichnet, steht Geld fällt vom Himmel am Anfang. Obwohl Donald in der Geschichte noch als Titelfigur fungiert, ist bereits Dagobert der heimliche Held, die Figur, mit der Barks am stärksten sympathisierte.

Worum geht es? Dagobert und seine Neffen betreiben eine Landwirtschaft, wobei Donald die ewige Plackerei auf den Feldern satt hat. Als Gustav vorbeikommt, der zum Angeln will, geht Donald mit ihm. Er drängt Gustav, sich eine Million zu wünschen. In diesem Augenblick kommt ein Wirbelsturm, der alles Geld, das Dagobert in einem Heuschober aufbewahrt, mitreißt und über das Land verteilt. Nun sind alle reich, niemand will mehr arbeiten. Nur Dagobert arbeitet noch und kann mit sehr hohen Preisen für seine landwirtschaftlichen Produkte sein ganzes Geld wiederbekommen.

Die Geschichte ist ein absoluter Meilenstein des Disney-Kosmos. Dagobert erscheint zum ersten Mal als wirklich positiv besetzte Figur, er benützt bereits seinen Wahlspruch, badet in seinem Geld und hat einen provisorischen Geldspeicher. Der Geldspeicher erlangte in Eingefrorenes Geld schließlich seine endgültige Form, wobei ich nochmals darauf hinweisen möchte (einfach nur, weil das kaum jemand weiß), dass er dem realen Vorbild einer Filteranlage im San Jacinto Valley nachgebildet ist. In Geld fällt vom Himmel ist der agrarische Ursprung des Geldspeichers noch deutlich zu erkennen.

Dies ist aber nicht der Hauptgrund, warum ich die Geschichte ausgewählt habe, sondern weil sich daran ein wichtiges Thema barksscher Comics gut darlegen lässt: Arbeitsmoral. Barks hatte selber eine enorme Arbeitsmoral, was sich an den etwa 6200 Comicseiten widerspiegelt, die Barks anfertigte. Er fuhr selten in Urlaub und verließ die USA erst in seiner Pension. Obwohl er nicht sehr gut verdiente, arbeitete er hart und sparte – oft zum Ärger von Garé – sein verdientes Geld. Geld ließ sich Barks' Meinung nach ohnehin nur durch harte Arbeit verdienen. Alle, die in Geld fällt vom Himmel ihr Vermögen nur durch Glück machen, verlieren es wieder und Dagobert bekommt sein Geld zurück, weil er hart gearbeitet hat.

Arbeitskämpfen stand Barks äußerst ablehnend gegenüber. Als in den 1940ern eine Streikwelle drohte die Disney-Studios lahmzulegen, arbeitete Barks in seinem Büro weiter und schimpfte über die schlecht bezahlten, streikenden Inbetweener, anstatt sich mit ihnen zu solidarisieren. Er bezeichnete die Streikenden als „Drückeberger“ und „Nörgler“ und ignorierte, dass deren Arbeit wesentlich schlechter bezahlt war als seine eigene und er im story department eine deutlich privilegiertere Position hatte. Barks negative Einstellung zu Streiks und Arbeitskämpfen, die seiner eigenen konservativen Wertehaltung so gut entsprach, zieht sich auch durch einige Comics, in denen er Südländer als arbeitsscheu, faul und streikend darstellte. Im Land der Vulkane ist das beste Beispiel für dieses Stereotyp, da in der Geschichte alle nur Siesta halten, obwohl die Katastrophe in Form eines gigantischen Vulkanausbruches dräut. Auch jene Sequenz in Gefährliches Spiel, in der streikende Eisenbahner einen Zug unmittelbar bevor er Donald überfährt aufhalten, entspricht Barks' genereller Meinung, dass Südländer zum Streiken neigen. In der Geschichte ist der Streik zwar eine glückliche Fügung und wird humoristisch aufgearbeitet, es ist aber dennoch festzuhalten, dass hinter all dem eine stereotype Vorstellung steht, die in der Form kaum aufrechtzuerhalten ist.

Barks' Vorstellungen der Arbeitsmoral ziehen sich durch sein gesamtes reifes Werk, da er immer stärker die Arbeitsmoral mit Dagobert gleichsetzte, der ja für jeden seiner Kreuzer hart schuftete und sich genau wie der Künstler selbst keine Auszeiten gönnte. Während Barks sich zunehmend mit Dagobert identifizierte, drängten sich andere Figuren als abschreckende Gegenbeispiele in den Vordergrund. Die Panzerknacker werden gerade in den späten Geschichten als negative, jegliche Arbeitsmoral vermissende Figuren dargestellt. Während Dagobert in Der Fluch des Abbadon hin und her jagt um sein Geld zu schützen, liegen die Panzerknacker auf der Haut und lassen Blau-Elstern für sich das Stehlen übernehmen. Die zunehmend liberale Haltung des US-Höchstgerichts in den 1960ern, die Verdächtigen in Kriminalfällen mehr Rechte einräumte und von Barks kritisch beäugt wurde, führte zu seiner bösesten Satire über Kriminalität und den Rechtsstaat. In Die Schauergeschichte von Schloss Schauerstein lernen die Panzerknacker im Gefängnis alles, was sie für ihren nächsten Raubzug brauchen. Aber auch in Die sieben Städte von Cibola hatte Barks die Panzerknacker in einer Sequenz bereits als Arbeitsscheue gezeigt, die sich in einer Volksküche durchfüttern lassen wollen.

Auch Donald wird selbstredend oft als arbeitsscheu charakterisiert (etwa in Geld fällt vom Himmel), am aller ausgeprägtesten ist dies allerdings bei Gustav Gans. Der glückliche Gustav war Barks' Paradebeispiel für faule Menschen. Nicht so sehr das Glück störte Barks an seiner eigenen Kreation, sondern der mangelnde Arbeitswille. „Ich glaube nicht“, sagte Barks zu Geoffrey Blum, „dass irgendjemand eine Figur mag, die mit so wenig Anstrengung in der Welt zurechtkommt [...]. Sie wollen fühlen, dass andere Leute genauso viel Mühen wie sie selbst haben; und Gustav war ein Typ, der einfach so dahinspaziert, den ganzen Rahm aus dem Leben abschöpfen würde, ohne jemals dafür zu schwitzen.“

Zusammenfassung: Während Geld fällt vom Himmel der Beginn der Entwicklung Dagoberts zur Hauptfigur ist, habe ich die Geschichte aus einem ganz anderen Kontext heraus gedeutet. Es ist nämlich eine der Geschichten, in der Barks' Vorstellungen zur Arbeitsmoral am besten zu erkennen sind. Diesbezüglich habe ich auch Barks' negative Meinung zu Streiks hingewiesen sowie auf seine Charakterisierung der Panzerknacker und Gustavs als faule, arbeitsscheue Figuren.


Randbemerkung: Geld fällt vom Himmel ist sogar für Nationalökonomen interessant und bietet einen wesentlichen theoretischen Input für die Wirtschaftswissenschaften. Ein paar mehr Details dazu und der Link zum Fachartikel finden sich in der Duckipedia (https://www.duckipedia.de/Geld_fällt_vom_Himmel).
C.A.R.L.B.A.R.K.S. (Comicliebende, außerordentlich redegewandte Leseratte, barksistischer Allroundexperte, Rottenführer kluger Schweiflinge)
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#36
Ich kann mich erinnern, dass unser VWL-Lehrer auf der Berufsschule damals auch diese Geschichte durchgenommen hat, ich glaube, um Inflation zu erklären.
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#37
Nummer sieben. Zeit sich dem Spätwerk zuzuwenden. Der Text ist etwas kürzer ausgefallen, aber ich wollte ihn nicht noch länger verzögern. Kurze Vorschau: Der nächste Text kommt irgendwann nächste Woche und wird sich mit Populärkultur beschäftigen und dann nähere ich mich ohnehin schon dem Ende dieser Barks-Analyseserie. Die beiden m.M.n. interessantesten Themen habe ich mir für das Ende aufgespart. Stay tuned


Alaska-Katastrophe

Die Geschichte Alaska-Katastrophe gehört zu den bemerkenswertesten des barksschen Spätwerks. Die Geschichte, in der Shandy Schofel das erste Mal auftritt und die daher für viele Leser, die SLSM schätzen und Barks ausgehend von Rosa neu entdecken, von großem Interesse ist, steht paradigmatisch für einen wichtigen Faktor im Oeuvre des späten Barks: Wehmut. Wehmut wonach? Nach der frontier, jenem weiten, nicht natürlich abgesteckten Grenzraum, der verschiebbar war, der Abenteuer bedeutete und schnellen Reichtum, aber auch den Tod bringen konnte. Was sich jetzt anhört nach einer billigen Metapher auf den Wilden Westen, ist in der Tat von enormster Bedeutung für die amerikanische Geschichte, die an und mit der frontier geschrieben wurde, und für das Selbstverständnis der amerikanischen Nation bis heute. Das gesamte 19. Jahrhundert, von der Monroe-Doktrin über die Manifest Destiny, den Trail of Tears und die Indianerkriege bis zum Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898, war geprägt durch die Ausdehnung der frontier, die Erschließung des Lebensraumes jenseits der Appalachen.

Barks selbst wurde 1901 geboren, in Oregon, also in der Gegend, wo die frontier als Lebensmodell noch nicht der Zivilisation gewichen war. In einer durch Reste des ehemals „Wilden Westen“ (ich möchte mir jetzt nicht die Zeit nehmen, dieses Klischee auseinanderzunehmen) gekennzeichneten Umgebung wuchs Barks auf und erlebte – darauf habe ich bereits hingewiesen – den kompletten Umbruch der Gesellschaft, den das 20. Jahrhundert mit sich brachte. Der Untergang der „alten Welt“ löste bei Barks Wehmut aus und so ist es weiter nicht überraschend, dass wir in erstaunlich vielen Barks-Comics wehmütige Darstellungen vergangener, häufig als glanzvoll dargestellter und durch diefrontier geprägter Zeiten finden. Ein berühmtes Beispiel für so eine Geschichte wäre Im alten Kalifornien, nicht ohne Grund die Lieblingsgeschichte des duck man, aber auch Der Sheriff von Bullet Valley lebt von der Erinnerung an den Wilden Westen.

Die frontier verlief nicht nur im Westen sondern auch im Norden. Der Goldrausch am Klondike bediente das gleiche Bild der Landnahme, der Verlockungen des schnellen Reichtums (from rags to riches) und wurde bereits früh literarisch aufgearbeitet, wie bei Barks oft mit dem Gefühl der Wehmut verbunden. Eine der wichtigsten Aufarbeitungen, die ich erwähnen muss, ist die Ballade The Shooting of Dan McGrew, die das blutige Ende einer Saloonauseinandersetzung schildert. Die Bedeutung von The Shooting of Dan McGrew für Barks kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Große Teile der Ballade (etwa der Raub der Nuggets eines Goldgräbers) flossen direkt in die berühmte zensierte Szene aus Wiedersehn mit Klondike ein. Jahre später verwendete Barks sie erneut, diesmal in den Weltraum verlagert, für Der Lockruf des Mondgoldes. Abgesehen von der Ballade ist auf Soapy Smith hinzuweisen, den Barks in beiden Geschichten verwendete und der schließlich auch Eingang in Alaska-Katastrophe fand. Bei diesen drei letztlich den Goldrausch am Klondike rezipierenden Geschichten ist auffällig, dass die Wehmut in der Gestalt Dagoberts zunimmt, der in Alaska-Katastrophe kaum mehr etwas mit dem frühen Dagobert zu tun hat. Dies ging einher mit einer zunehmenden Desillusionierung vonseiten Barks', der kaum mehr die Möglichkeit zu Abenteuern im Sinne der frontiersah. Alaska-Katastrophe betont noch einmal die alten Werte der frontier, die allerdings im Wortsinne „alt“ geworden sind. Sowohl Dagobert als auch sein rheumatischer Schlittenhund Barko gehören einer längst vergangenen Zeit an, die lange gegen Schofels üble Tricks zu verlieren scheint. Aber auch die Reporter zeigen, dass der Fortschritt nicht spurlos vorüber gegangen ist und auch wenn die Geschichte ein nostalgisches Gefühl weckt, ist doch völlig klar, dass das Rad der Geschichte nicht mehr zurückgedreht werden kann.

Die Inspiration zum Hund Barko holte sich Barks vom Hund Balto, der die Stadt Nome vor einer Epidemie gerettet hatte. Die Namensgebung ist natürlich offenkundig und damit eine der deutlichsten Eigenanspielungen, die Barks je gemacht hat und die insofern bemerkenswert sind, weil ja damals die Comics nicht unter dem Namen des Künstlers erschienen und andere Zeichner keine solchen Anspielungen verwendeten. Die Ähnlichkeit von Barks zu to bark (also bellen) machte es dem Künstler natürlich leichter, seinen Namen gekonnt zu verstecken – dies trifft im Übrigen nicht nur auf Alaska-Katastrophe zu. Den Lesern fiel die Anspielung deshalb auch nicht auf, außer den ganz wenigen Fans, die bereits Kontakt mit dem duck man aufgenommen hatten. Dies änderte sich erst als Barks ab den 1980ern wiederentdeckt wurde und Alaska-Katastrophe unter seinem Namen erschien; seit damals gilt der Comic als Paradebeispiel für Eigenanspielungen im Disney-Bereich.

Eine weitere berühmte Anspielung soll noch genannt werden, bevor ich es für heute gut sein lasse: In Die olympische Idee tritt ein Speerwerfer auf, der Barks sehr ähnlich sieht und die große Nase hat, die er allen Karikaturen seiner selbst gab. Der Speerwerfer bekommt einen Niesanfall und scheitert. Donald, der gegen ihn antritt, ebenfalls – eine Gleichsetzung des Künstlers mit seiner Ente.
C.A.R.L.B.A.R.K.S. (Comicliebende, außerordentlich redegewandte Leseratte, barksistischer Allroundexperte, Rottenführer kluger Schweiflinge)
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#38
(03.03.2021, 23:22)McDuck schrieb: Die Namensgebung ist natürlich offenkundig und damit eine der deutlichsten Eigenanspielungen, die Barks je gemacht hat und die insofern bemerkenswert sind, weil ja damals die Comics nicht unter dem Namen des Künstlers erschienen und andere Zeichner keine solchen Anspielungen verwendeten.
Wird aber wohl kaum ein Leser bemerkt haben, weil Hunde nun mal bellen  Zwinkern
"Nur Spiegeln einer Person während der Fahrt kann zu einer Geldstrafe zwischen 600 € und 4.000 € führen."

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#39
Man sollte nicht um elf Uhr nachts versuchen, noch brauchbare Texte rauszukriegen (und gestern war ich auch richtig müde)  Klatsch
Jedenfalls hab ich natürlich auf den Barks-bark-Bezug vergessen. Und das mir, wo ich doch so anglophil bin  Klatsch Klatsch Klatsch
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