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Der Kino-Thread
(15.10.2019, 17:26)Entenfan schrieb: Hat denn schon jemand den neuen Film über Joker gesehen und kann eine Empfehlung aussprechen? Zwinkern

Ja, ich, ich habe mir am Wochenende den Film angesehen.

Als Erstes muss man erwähnen, dass "Joker" kein gewöhnlicher Superhelden-Film ist. Gut, um ehrlich zu sein, habe ich noch nie irgendeinen anderen Superhelden-Film gesehen, allerdings gehe ich davon aus, dass es in den meisten Superhelden-Filmen um einen Kerl, der, warum auch immer, irgendwelche Superkräfte hat, und dessen Freunde geht, die irendwie gegen das Böse kämpfen und am Schluss gewinnen. Dazu gibt es wahrscheinlich auch noch einen Haufen After-Effects und Action-Szenen und so weiter. "Joker" hingegen handelt von Arthur Flecks (Joaquin Phoenix) charakterlichen Entwicklung vom psychisch kranken und gedemütigten Außenseiter bis hin zum gewissenlosen, Anarchie stiftenden Mörder. Es wird versucht, psychoanalytisch aufzuarbeiten, was die Ursache für das unmenschliche und destruktive Verhalten des Jokers ist. Und genau das ist vielleicht auch das Problem des Films. Denn genau deswegen, weil es eben nicht nur um "Action", Gekämpfe oder einen Comicschurken geht, verlangt der Film auch eine Interpretion.
Todd Phillips, der Regisseur des Film, versucht, so viele Antworten auf die Frage, wie man so abgrundtief böse wie Joker werden kann, zu geben und diese mit einem gesellschaftskritischen, teils sogar moralistischen Unterton zu verbinden.
Die Aussage des Films ist: die Menschen sind böse. Tiefgründig, ich weiß. Im Mittelpunkt der Kritik steht allerdings Ronald Reagans neoliberale Sparpolitik, die zu großer sozialer Ungleichheit und dadurch zu Demütigung führte. Generell erklärt Arthur Fleck die ökonomische und politische "Elite" zu seinem Hauptfeind, verkörpert durch den Großunternehmer, Bürgermeisterkandidt und Vater Batmans Thomas Wayne. Anscheinend ist auch dem Regisseur aufgefallen, dass so etwas noch lange nicht ausreicht, um zum verrückten Massenmörder zu werden. Deswegen wurde Arthur Fleck auch noch als Kind misshandelt, wird ab und zu von Halbstarken zusammengeschlagen, verliert seinen Job, ist psychisch krank, sexuell frustriert und wird von seinen Mitmenschen gedemütigt. Die Menschen sind böse.
Anscheinend kann der ganze Film aber auch völlig anders interpretiert werden. Denn anscheinend können sich auch sogenannte "Incels", also weiße, männliche, sexistische Arschlöcher ziemlich gut mit der tragischen Figur Arthur Fleck identifizieren - die US-Armee hat sogar ihre Mitglieder vor Attentaten möglicher Incels anlässlich der Joker-Premiere in amerikanischen Kinos gewarnt. Aber ehrlich gesagt kann der Regisseur nichts wirklich dafür, wenn sein Film von irgendwelchen Rechtsradikalen instrumentalisiert wird. Arthur Fleck zeigt weder misogyne noch rassistische Tendenzen.
Viel problematischer finde ich das Ende des Films. Arthur Fleck, nun Joker, wird - ACHTUNG SPOILER - zum Helden stilisiert, zum Rächer, der Anarchie stiftet und in nihilistischen Gewaltakten seine Erfüllung findet - das ist der Weg, dem Teufelskreis zu entkommen ... und nicht irgendwie zum Beispiel ein stärkerer Sozialstaat. Gut, in dem Film geht es darum, wie die Comicfigur Joker so wurde wie sie ist, trotzdem wirkte das Ende auf mich etwas zu sehr nach einem "Happy End".

Nichtsdestotrotz ein lohnenswerter Film! Gut


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Hey, vielen Dank für tolle Stellungnahme! Gut

Eigentlich stand eh schon fest, dass ich mir den Film anschauen werde Frech

Das mit den Attentaten ist natürich tragisch. Habe ich bislang noch nicht mitbekommen, aber es gab vor einiger Zeit diesen schweren Amoklauf in einem Kino, in dem irgendein Batmanfilm laufen sollte.
»Manners. Maketh. Man.«
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